Dauerausstellung

Werminghoff

Brikettfabriken und ihre Werkssiedlungen waren in der Lausitz Anfang des 20. Jahrhunderts ein verbreitetes Bild. Hier erschloss sich fast die gesamte Lebenswelt der Arbeiter und ihrer Familien – wie in einem Mikrokosmos. Mit der Errichtung von Werkssiedlungen verfolgte die Eintracht Braunkohlenwerke und Brikettfabriken AG das Ziel, Fachkräfte anzulocken und zu binden. Der Bau der Werkssiedlung begann im Fall von Werminghoff sogar noch vor der Grundsteinlegung der eigentlichen Brikettfabrik. Mitten im Wald wurde von Dresdener Architekten eine Siedlung im Landhausstil errichtet, die alles Notwendige zum Leben bot: einen Werksgasthof, ein Kaufhaus und eine Schule. Die Firma kümmerte sich sogar um die gesundheitliche Versorgung durch einen Arzt. So nannten schon bald Schlesier, Polen, Sorben und Deutsche den Ort ihr Zuhause und Werminghoff wuchs schnell. Die Bewohner belebten ihn mit ihren Aktivitäten. In den Hinterhöfen waren Ziegen, die 'Kühe des Bergmanns', und Gemüsegärten zu finden. Die Kinder spielten nach der Schule in den Straßen und in Vereinen wurde geturnt, gesungen, musiziert oder Rad gefahren. Und stets überragten die Schlote der Fabrik die Siedlung, die ihren Bewohnern Lohn und Brot gab. Doch wohnen durfte hier nur, wer einen Arbeitsvertrag im Tagebau oder im Werk hatte. Verlor jemand seine Arbeit, verlor auch die gesamte Familie das Wohnrecht in der Siedlung.

Heutzutage ist durch den Abriss der Brikettfabriken und Kraftwerke auch der Kontext verschwunden, der ein Verständnis für den Mikrokosmos 'Werk - Siedlung' bot. In Knappenrode ist dieser noch erhalten. Der Weg durch den Ort führt noch heute bis vor die Tore der Fabrik.