Tabakrausch an der Elbe. Geschichten zwischen Orient und Okzident | 8. April - 30. Dezember 2022

Vortragsreihe

Erfahren Sie von der Industrie- und Kulturgeschichte des Tabaks in Sachsen. Begleitend zur Sonderausstellung lädt das Industriemuseum Chemnitz zu einer thematischen Vortragsreihe ein.

9. Juni, 18 Uhr
Zwischen Devisenmangel und Versorgungsaufwand
Zigarettenindustrie und Gesellschaft im Spiegel der Tabakkultur der DDR

Dr. Holger Starke, Stadtmuseum Dresden und Kurator im Kooperationsprojekt ‚Tabakrausch an der Elbe‘

Im Spannungsverhältnis zwischen Kundenwünschen und Devisenknappheit entwickelte sich in der DDR eine besondere Tabakkultur, die sogar das Jahr 1990 überlebt hat. Der Vortrag zeigt, welche Erkenntnisse über die Strukturen der Gesellschaft sowie die Wirtschafts- und Gesundheitspolitik in der DDR anhand des unscheinbaren Produkts Zigarette möglich sind.

 

22. September, 18 Uhr
Mit Coupons zum Sammlerglück
Reklamegegenstände und Sammelbilder im Bonussystem der Dresdner Zigarettenindustrie

Andrea Rudolph M. A., Kustodin für Kultur- und Alltagsgeschichte am Stadtmuseum Dresden

Bereits im 19. Jahrhundert entwickelten sich frühe Formen der Kundenbindung, die wir heute als Punktesysteme für den Erwerb vom Kochtopf bis zum Fußballaufkleber kennen. Die deutsche Zigarettenindustrie lockte mit verschiedensten Gutscheinen und v.a. den beigefügten Sammelbildern. Der Vortrag zeigt die vielfältigen Angebote der Firmen auf und zeichnet die Entwicklung des Zugabesystems bis in die DDR-Zeit nach.

 

13. Oktober, 18 Uhr
Vom Heilmittel zum Risikoprodukt
Wie die Ärzte ihre Sicht auf Tabak und Tabakkonsum im Laufe der Jahrhunderte änderten

Dr. Marina Lienert, TU Dresden/Institut für Geschichte der Medizin

In Europa zunächst als Heilpflanze eingeführt, mehrten sich im 19. Jahrhundert Erkenntnisse über negative Wirkungen des Tabakkonsums. Der ursächliche Zusammenhang von Tabakrauch und Bronchialkarzinom wurde schon lange vermutet, konnte jedoch erst in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts nachgewiesen werden. Diese Entwicklung und die bedeutende Rolle, die der u.a. am Chemnitzer Küchwaldkrankenhaus arbeitende Arzt Fritz Lickint (1898-1960) spielte, führt der Vortrag eindrücklich vor Augen.

 

10. November, 18 Uhr
'Ein Bedürfniß von hoher industrieller, commerzieller, volks- und staatswirthschaftlicher Wichtigkeit'
Tabak in Sachsen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert

Dr. Jörg Ludwig, Sächsisches Staatsarchiv

Als Genussmittel gewann Tabak in Sachsen seit dem Dreißigjährigen Krieg immer mehr an Bedeutung. Trotz obrigkeitlicher Verbote verbreitete sich das Pfeiferauchen, später kamen Tabakschnupfen und Zigarrenrauchen hinzu. Aus dem Konsum ergaben sich gewerbliche Impulse: Es entstanden Tabakmanufakturen, später Zigarrenfabriken, bis in der Mitte des 19. Jahrhunderts Dresdens Aufstieg zum Zentrum der deutschen Zigarettenindustrie begann. Diese reiche Gewerbe- und Industrietradition des Tabaks in Sachsen illustriert der Vortrag anhand ausgewählter Quellen.

 

8. Dezember, 18 Uhr
Salomon Krenter und die Maschinenzigarre aus Döbeln

Dr. Christian Kurzweg, Bundesarchiv Berlin

Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein galt die Zigarrenproduktion als Insel solider Handwerksarbeit: Der Einsatz von Maschinen wurde fast durchweg abgelehnt. Nach dem Ersten Weltkriegs erzwangen hohe Rohstoffpreise und eine ständig wachsende Steuerlast jedoch ein Umdenken. Der erste Unternehmer in Deutschland, der Zigarren maschinell herstellte, war der Dresdner Zigarettenfabrikant Salomon Krenter. Er revolutionierte eine traditionsverhaftete Branche, stieß allerdings auf Abneigung bei Konkurrenten, Interessengruppen und einem Teil der Raucherschaft. Der Vortrag erzählt ein Kapitel sächsischer Industriegeschichte, das auch mit Krenters Scheitern 1932 nicht beendet war.

Eintritt: frei