Vereinskurier - Ausgabe 9 - Dezember 2003

Heinz Dieter Uhlig

Die Kraft aus der Rohrleitung - Energieübertragung durch Wasser

Obwohl seinerzeit die Erzeugung und Übertragung von Elektroenergie schon Fortschritte gemacht hatte, entschloss man sich im hoch industrialisierten Manchester gegen Ende des 19. Jahrhunderts, den gestiegenen Energiebedarf mit Hilfe einer öffentlichen Hydraulik-Anlage abdecken zu helfen.

Zu diesem Zweck wurden zwischen 1894 und 1909 drei sogenannte Pumphäuser errichtet, deren Aufgabe es war, Wasser mit einem Druck von mehr als 9 kg/qcm in die unter Manchesters Hauptstraßen verlegten Rohrleitungen zu pressen. An diese Rohrleitungen konnten sich die Nutzer anschließen. Sie betrieben damit hydraulische Pressen, Hebezeuge und ähnliche Einrichtungen; aber auch die Rathaus-Uhr wurde hydraulisch aufgezogen und der eiserne Vorhang in Manchesters Opernhaus damit angehoben. Eine sinnvolle mechanische Regelung sorgte einerseits für eine obere Druckbegrenzung und andererseits für einen garantierten Mindestdruck.

Ursprünglich wurden die Kolbenpumpen mit Dampfmaschinen angetrieben, erst im Jahre 1927 kamen Elektromotoren zum Einsatz. Sicher war es die fortschreitende Modernisierung der Anlagen bei den Nutzern, die verbunden mit der zunehmend verbesserten Übertragung und Nutzung der Elektroenergie dazu führte, dass die öffentliche Hydraulik-Anlage nicht wettbewerbsfähig blieb. Verschleiß und damit verbundener Instandhaltungsaufwand für das Leitungssystem dürften dazu entscheidend beigetragen haben; die Pumphäuser wurden stillgelegt.

Eines dieser Häuser ist auf unsere Tage überkommen, das Pumphaus auf der Bridge Street. Die kunstvolle äußere und innere Gestaltung lässt die ehemalige Bedeutung des Gebäudes erkennen, aber auch den Stolz der Bürger einer entwickelten Industriestadt. Leider ist das Bauwerk im Inneren von allen Anlagen und Ausrüstungen befreit worden. Weder Antriebe, noch Pumpen, noch Schieber, noch Mess- und Regelanlagen sind vorzufinden. Das historische Pumphaus beherbergt heute das Museum für die Geschichte der Arbeiterbewegung, eine sehenswerte Ausstellung, die allerdings keinen Raum lässt, um die ursprüngliche Aufgabe des Bauwerks und seine funktionale Bedeutung hinreichend zu würdigen.