Vereinskurier - Ausgabe 7 - April 2003

Dr. Jörg Feldkamp

Vorwort

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde des Fördervereins
Industriemuseum Chemnitz e. V.,

es ist geschafft! Am 12. April öffnen wir die Türen des neuen Industriemuseums an der Kappler Drehe für die Öffentlichkeit. Damit geht ein über 170jähriger Wunsch der Chemnitzer nach einem Museum der Industrie in Erfüllung. Ob das Ergebnis den Protagonisten in dieser Form so vorgeschwebt hat, wissen wir nicht. Wahrscheinlich nicht, denn damals, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war die Rede von "Modellsammlungen und Musterinstituten".

1859 wurde erstmalig öffentlich die Idee eines Museums der Industrie vorgeschlagen. Im Chemnitzer Tageblatt stand zu lesen: "Darunter verstehen wir eine, in ein angemessenes Gebäude gebrachte Sammlung anziehender Erzeugnisse aus dem industriellen Gebiete, welche zur Belehrung für Schüler und Meister, zur Ansicht für Kenner und zur Freude für Freunde der Industrie aufgestellt werden". Das war die Idee ein halbes Jahrhundert nach der Errichtung der ersten Fabriken in Sachsen und zu einem Zeitpunkt, als die Industrialisierung ihre Kraft bereits entfaltet hatte.

1990, die freie Marktwirtschaft hatte die sozialistischen Planwirtschaft abgelöst und der Glaube an einen internationalen Aufschwung der produzierenden Industrie in Sachsen wie an eine wirtschaftliche Erstarkung aller neuen Bundesländer war noch unerschüttert, schien die Zeit für das lang ersehnte Industriemuseum reif und zum Greifen nahe. Es waren die Gründungsmitglieder unseres Fördervereins, die zupackend und mit großer Kenntnis von den industriellen Leistungen der Vergangenheit an die Realisierung des Museums gingen, ein Jahr später von der Stadt Chemnitz als dem offiziellen Träger des Museums unterstützt.

13 Jahre später sind wir am Ziel, zu einem Zeitpunkt, da die Ära der Industriegesellschaft ihrem Ende entgegengeht. Der Industrialisierungsprozess ist abgeschlossen. Bedarfsweckung hat Bedarfsdeckung schon lange abgelöst. Nicht Mangel an Gütern, Mangel an Arbeit bzw. die Unfähigkeit, Arbeit zu bezahlen, ist die neue Herausforderung. Vor diesem Hintergrund bekommt auch ein Industriemuseum eine ganz neue Bedeutung. Was bleibt, ist das Faszinosum Technik, die es in alter und neuer Form zu bestaunen gibt. Auch ein bisschen Stolz bei der Betrachtung der industriellen Leistung der letzten 200 Jahre mag mitschwingen. Sympathieträger der sächsischen Wirtschaft will das Industriemuseum sein. Mehr aber als die Vergangenheit werden Zukunftsfragen im Blickpunkt des Museums stehen. Augenblicke zwischen gestern und morgen haben wir die Dauerausstellung genannt.
Ich lade Sie alle herzlich zum wiederholten Besuch des Museums ein und erwarte mit Spannung Ihre Reaktion, aber auch Ihre Kritiken und Anregungen.
Lassen wir uns gemeinsam als starker Förderverein über das Erreichte freuen und aufbrechen in eine neue Phase, der des sinnstiftenden, identitätsfördernden, aber gleichzeitig auch kurzweiligen Museums. Das Fundament ist geschaffen. Beleben wir es!

Ihr

Dr. Jörg Feldkamp
Museumsdirektor