Museumskurier - Ausgabe 19 - Juni 2007

Anett Polig

Vier Ringe für Sachsen - 75 Jahre Auto Union AG

Unter dem Titel "Vier Ringe für Sachsen - 75 Jahre Auto Union" möchten das Industriemuseum Chemnitz, das Verkehrsmuseum Dresden und das August Horch Museum Zwickau in einer Verbundausstellung an die Bedeutung der Auto Union und ihr Nachwirken bis in die heutige Zeit, sowie deren Einfluss für die Entwicklung des Automobilbaus in Deutschland erinnern. Seit 75 Jahren zeugen die vier ineinander verschlungenen Ringe für wegweisende Innovationen, für sportliche Erfolge und technisch perfekte und ästhetisch beeindruckende Fahrzeuge, die den ausgezeichneten Ruf der sächsischen Automobile welt-weit verbreiteten und zum Impulsgeber für die Kraftfahrzeugentwicklung wurden.

In Anwesenheit von Sachsens Ministerpräsident Prof. Dr. Milbradt wird dazu eine Ausstellung im Industriemuseum Chemnitz (9. Juni bis 2. September 2007) am 8. Juni eröffnet. Mit dem Schwerpunkt "Rennsport" wird es vom 29. Juni bis 4. November 2007 eine zweite Ausstellung im August Horch Museum geben und es ist im Frühjahr 2008 geplant, in Dresden beides fortzuführen.

Im Juni 1932 fusionierten die vier wichtigsten sächsischen Fahrzeughersteller, die beiden Zwickauer Kfz-Produzenten Horchwerke AG und Audi-Werke AG, die auf den Bau von Mittelklassewagen ausgerichtete Automobilabteilung der Wanderer-Werke AG aus Siegmar bei Chemnitz sowie die Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen AG, die Muttergesellschaft des aufstrebenden Motorrad- und Kleinwagenherstellers DKW zum "Branchenriesen" Auto Union AG.

Die Fusion der vier wichtigsten sächsischen Fahrzeughersteller geschah auf Betreiben und mit Hilfe der Sächsischen Staatsbank zu einem Zeitpunkt, als der Absatz der deutschen Automobilindustrie unter dem Einfluss der Weltwirtschaftskrise immer mehr zurückging und die Branche in eine für manches Unternehmen tödliche Existenzkrise geriet.

Eine Reihe zukunftsweisender Konzepte konnte bis zum 2. Weltkrieg verwirk-licht und teilweise bis zur Serienreife geführt werden. Bedeutsam waren hier u. a. die Forschung auf dem Gebiet der Leichtbau- und Kunststoffbauweise und die Entwicklung von Hochleistungsmotoren. Das Zentrale Konstruktionsbüro (ZKB) und die Zentrale Versuchsabteilung (ZVA) in Chemnitz arbeiteten intensiv an Problemen der Kraftstoffeinspritzung; da dem Zweitaktmotor damals große Zukunftschancen eingeräumt wurden. Erstmalig wurden Fahrzeuge mittels Windkanalströmungstechnologien und bei Crashversuchen getestet.

Die bei Rennen und Rekordfahrten erfolgreichen Silberpfeile trugen maßgeblich zum ausgezeichneten Ruf bei. Sie zeugten als technische Glanzstücke von der Leistungsfähigkeit der Auto Union AG.

Der 2. Weltkrieg beendete die Erfolg versprechende Unternehmensentwicklung. Der bereits frühzeitig mit militärischen Aufträgen betraute Konzern wurde in die Rüstungsproduktion eingebunden und die zivile Fertigung mit wenigen Ausnahmen 1940 eingestellt.

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges und der Teilung Deutschlands ging die Auto Union AG in eine ungewisse Zukunft. Demontage, Verstaatlichung sowie die Aufspaltung in eine Auto Union Ost und Auto Union West sind nur einige Schlagworte für den Autokonzern mit den vier Ringen, die heute als Markenzeichen der Ingolstädter Audi AG erfolgreich weiter bestehen.

Heute stellt die Automobil- und Kfz-Zulieferindustrie in Sachsen eine Schlüsselbranche der sächsischen Wirtschaft dar; rund 60.000 Menschen in etwa 450 Unternehmen finden Beschäftigung. Mit einem Umsatzanteil von mehr als 20 % und einer Exportquote von rund 40 % ist dieser Wirtschaftszweig der Motor des verarbeitenden Gewerbes in Sachsen.