Museumskurier - Ausgabe 19 - Juni 2007

Dr. Jörg Feldkamp

"Dienstags sehen wir uns wieder"

So versprach es Claus Beier anlässlich seiner Verabschiedung am 5. Dezember des vergangenen Jahres. Mit dem Ausscheiden von Claus Beier aus dem aktiven Dienst im Chemnitzer Industriemuseum verliert das Haus auf unbestimmte Zeit den fest angestellten Fachmann für den Textilbereich.

Claus Beier war am 1. Februar 1999 Fritz Pützschler im Amt des Textilreferenten nachgefolgt und der erste hauptamtliche Textilreferent des Chemnitzer Industriemuseums geworden. Bei der Konzeption der Dauerausstellung zeichnete er für den viel gerühmten Bereich der "Karl-Marx-Städter" verantwortlich. Anschließend entstand unter seiner fachlichen Leitung die "Textilstraße", der erste sammlungs-spezifische Dauerausstellungsbereich, der nach der Eröffnung des Hauses im April 2003 ein Jahr später als zusätzliches Highlight der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Unter dem Motto "von der Faser zum Stoff" zeigen wir hier anhand ausgewählter Textilmaschinen wie Gewebe und textiler Endprodukte vom prähistorischen Spinnwirtel bis zur Designermode den technologischen Ablauf vom Spinnen über das Stricken, Wirken und Weben bis hin zum Stoffdruck und dem Besticken. In geradezu wohnlicher und farbenfroher Atmosphäre erfährt der Besucher viel Wissenswertes zum Thema Textil, wobei unsere Vorführer nicht nur die Prozesse erlebbar machen, sondern auch informieren und Fragen beantworten.

Das Gesamtkonzept der "Textilstraße" verdanken wir Claus Beier und seinen "Textilern", die als erster ehrenamtlicher Arbeitskreis am hiesigen Museum von Anbeginn an freiwillige Aufbauleistung erbracht und mit viel Engagement und Sachverstand die Textilmaschinensammlung zusammengetragen und - in der Regel vorführbereit - ausstellungsfähig gemacht haben. Auch sind die guten Beziehungen zur Textilindustrie, wie sie von Claus Beier und seinen Mitstreitern unterhalten werden, für unsere Arbeit hilfreich bis unersetzlich.

So trifft man sich regelmäßig dienstags, um mit Rat und Tat die Textilstrecke des Museums am Leben zu erhalten und die Anfragen und Bedürfnisse, die sich im Laufe einer Woche auf diesem Spezialgebiet angesammelt haben, nach Kräften abzuarbeiten. Und natürlich ist Claus Beier mit von der Partie. Dafür gilt ihm an dieser Stelle noch einmal unser ganz besonderer Dank.

Ihren Dank haben die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen Claus Beier anlässlich unserer kleinen Verabschiedungsfeier mit einem Geschenk zum Ausdruck gebracht, das ihn noch lange an seine Zeit im Industriemuseum erinnern soll, selbst dann, wenn es den wöchentlichen Dienstagsbesuch nicht mehr geben sollte. Aber bis dahin, so hoffen wir, wird sich die erzgebirgische Weihnachtspyramide, unser Abschiedsgeschenk, noch viele Male im Hause Claus Beiers zur Weihnachtszeit drehen.

Was mir indes weiterhin im Kopf herumgeht ist die Frage, wie in Zukunft unser "Aufbauleiter" Claus Beier in dieser Schlüsselfunktion zu ersetzen sein wird. Denn neben seinem Wirken als exzellenter Textilreferent hat er irgendwann seine Fähigkeit, technische Abläufe zu durchdringen, zu organisieren und mit der Anleitung und Führung entsprechender Arbeitskräfte fristgerecht zu realisieren, in den Dienst des Museums gestellt. Er war unser Garant für den reibungslosen Aufbau schwierigster Ausstellungsproduktionen.

Aber vielleicht holen wir uns auch hier dienstags seinen Rat.