Museumskurier - Ausgabe 18 - Dezember 2006

Tim Lücke

Neues aus der Restaurierungswerkstatt: Ein Windrad für das Freigelände des IMC

Im Frühjahr 2002 bauten wir in einem Kleingarten im Zwickauer Stadtteil Oberhohndorf ein ca. 15 Meter hohes Windrad ab; es musste dort einem Hausneubau weichen. Der Sachzeuge stammt laut Angabe des Voreigentümers aus dem Jahr 1926 und pumpte jahrzehntelang gleichermaßen ökologisch und zuverlässig Wasser aus dem Boden.

Windräder dienten den Bewohnern von Gehöften der Förderung von Trinkwasser, der Bewässerung von Äckern und Feldern und zuweilen auch der Stromerzeugung. Später wurden die Anlagen durch leistungsfähigere Motorpumpen oder den Anschluss an die Steckdose verdrängt. Ursprünglich aus den USA kommend, bildeten solche Windräder zwischen den beiden Weltkriegen durchaus eine landschaftstypische Erscheinung - ganz so wie heute die großen Windenergieanlagen zur Stromgewinnung.

Zahlreiche Maschinenbaubetriebe sind in der Zeit zwischen 1910 und 1945 als Hersteller bekannt; unser Exemplar stammt vermutlich von der Firma Reinsch aus Dresden. Die Initialen C. R. - an zahlreichen Gussteilen vorhanden - wie auch der Vergleich mit zeitgenössischen Abbildungen lassen darauf schließen.

Die Gittermastkonstruktion ruht auf einem massiven Betonfundament. Den Kopf bildet ein Rotor (drei Meter Durchmesser) mit einem Richtungsleitflügel und einer darunter angeordneten kreisförmigen Wartungsbühne. Die Drehbewegung des Rotors wird über eine Pleuelstange und Pleuelscheibe in eine vertikale Bewegung ("Auf und Ab"), auf das Pumpengestänge und damit auf die Kolbenpumpe übertragen. Der Pumpenantrieb befindet sich in einem massiven zentralen Gussteil mit einer Vielzahl von Anbauteilen.

Restaurierungsziel ist es, das Windrad in seiner Funktion wieder erlebbar zu machen, ohne dabei sein Alter zu vertuschen. Das bedeutet gleichermaßen eine Instandsetzung der mechanischen Bauteile, die Überprüfung der Statik, als auch eine fachgerechte Behandlung der Oberflächen.

Das äußerliche Erscheinungsbild war bei Übernahme sehr schlecht. Über zehn Jahre Stillstandszeit gepaart mit mangelnder Pflege hatten zu völlig korrodierten Oberflächen und verschlissenen Bauteilen geführt. Nur noch spärliche Farbreste in Form von Bleimennige und Eisenglimmer ließen sich an versteckten Stellen feststellen.

Aufgrund der gleichmäßigen Korrosion entschieden wir uns zur transparenten Behandlung der Oberflächen. Angewendet wird ein mehrschichtiges PU-Lacksystem für freibewitterte Exponate. Darüber übernimmt ein mattes Korrosionsschutzwachs die Aufgabe einer "Verschleißschicht", die Wind und Wetter abhalten soll und in regelmäßigen Abständen erneuert wird.

Derzeit wird das Oberteil des Windrades im Depot des Museums zur Probe montiert, Bauteile werden nachgearbeitet und ergänzt. Möglichst viel Originalsubstanz soll erhalten und trotzdem die Standsicherheit garantiert werden.

Im Frühjahr 2007 sollen sich die 18 Luken des Rotors auf dem Gelände des Museums drehen. Neben dem nostalgischen Effekt regt das Exponat zur Nachdenken über Energiegewinnung an, schließlich platzieren wir in der Nachbarschaft bei nächster Gelegenheit die neun Tonnen schwere Rotornabe einer modernen Windenergieanlage, ein Exponat aus der Gießerei-Ausstellung (2006).

Uns sind ähnliche Windräder nahe der Autobahnanschlüsse A4 Bautzen-Ost sowie an der A13 (Lampertswalde) bekannt. Wer kennt noch andere alte Windrad-Standorte in Sachsen?

Weitere Windräder befinden sich in Museen, wie beispielsweise im Deutschen Technikmuseum Berlin oder auch im Deutschen Landwirtschaftsmuseum Schloß Blankenhain (Crimmitschau). Dort steht die wiedererrichtete Anlage (Baujahr 1912) und dient - in anschaulicher Form - der Wasserversorgung des ehemaligen Rittergutes.