Museumskurier - Ausgabe 18 - Dezember 2006

Andreas Töpfer

"Jugend forscht" in Südwestsachsen - eine Investition in die Köpfe der Zukunft

Nachwuchsförderung für naturwissenschaftliche und technische Disziplinen ist in Deutschland seit langem ein wichtiges Thema; schon in den 1960er Jahren stand das deutsche Bildungssystem in der Kritik. Der damalige Chefredakteur des "stern", Henri Nannen, jedoch ließ es nicht bei journalistischen Schlagworten bewenden. Er startete eine gesellschaftlich breit angelegte Initiative, um den qualifizierten Nachwuchs an jungen Wissenschaftlern zu fördern. Unter dem Motto: "Wir suchen die Forscher von morgen!" rief Nannen im Dezember 1965 erstmals zur Teilnahme an "Jugend forscht" auf. Vor dem Hintergrund aktueller demografischer Entwicklung und des damit verbundenen gesellschaftlichen Wandels erlangt diese Initiative heute eine zusätzliche und besondere Bedeutung.

Für alle zukünftigen Ingenieure, Techniker, Naturwissenschaftler und Fachkräfte bieten Nachwuchswettbewerbe wie "Jugend forscht" und "Schüler experimentieren" hervorragende Möglichkeiten sich selbst zu testen und neben Fachwissen auch wichtige Arbeitstechniken und kommunikative Fähigkeiten zu entwickeln.

 

In der Bundesrepublik Deutschland finden aus den genannten Gründen seit über 40 Jahren diese Wettbewerbe statt.[1] Der dreistufige Wettbewerb auf Regional-, Landes- und Bundesebene erfreut sich einem jährlich wachsenden Interesse. Im Jahr 2006 wurden deutschlandweit ca. 9.600 Teilnahmemeldungen der jugendlichen Forscher gezählt. Damit ist "Jugend forscht" Europas größter naturwissenschaftlicher Nachwuchswettbewerb. In rund 70 regionalen Wettbewerben werden die Teilnehmer gefordert, gefördert und die besten Leistungen prämiert. Unternehmen der Wirtschaft - die so genannten Patenunternehmen - organisieren und finanzieren dabei alle Wettbewerbsebenen. Schirmherr des Wettbewerbs ist der Bundespräsident.

Seit 1990 finden die Wettbewerbe "Jugend forscht" und "Schüler experimentieren" auch in Sachsen statt. Das Ziel des Wettbewerbes, Nachwuchswissenschaftler besonders zu fördern, hat vor dem Hintergrund sinkender Schüler- und Absolventenzahlen auch für die traditionellen Industrieregionen Sachsens besondere Bedeutung. Leistungsfähiger Nachwuchs in allen naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen wird auch hier dringend benötigt. Es gibt in Sachsen drei Regionalwettbewerbe, die in Anlehnung an die administrative Gliederung des Freistaates in Chemnitz, Dresden und Leipzig stattfinden.

 

Für den Regionalwettbewerb der Region Südwestsachsen, d.h. für den Regierungsbezirk Chemnitz, engagiert sich seit 1996 die Firma IN-TEC Gesamtplanungsgesellschaft für das Bauwesen mbH mit Sitz in Chemnitz als Patenunternehmen. Damals beteiligten sich zwölf Projekte am Wettbewerb. 2006, also zehn Jahre später, lagen rund 60 Projektanmeldungen von 120 jungen Forschern vor. Dieser schöne und deutliche Erfolg ruht auf vielen Schultern, denn eine große Zahl von Partnern beteiligt sich an Organisation, Vorbereitung, Durchführung und Bewertung des Wettbewerbs. Dazu gehören:

  • die IHK Südwestsachsen Chemnitz-Plauen-Zwickau, in deren Räumen in Chemnitz der Wettbewerb seit einigen Jahren stattfindet,
  • verschiedene Sponsoren, die sich u.a. als Preisstifter an den Kosten des Wettbewerbs beteiligen,
  • die rund 35 Juroren, die in ehrenamtlicher Arbeit Universitäten, Hochschulen, Betriebe, Gymnasien und Mittelschulen sowie weitere Organisationen vertreten,
  • die fleißigen Helfer und Organisatoren, die den jährlich wachsenden Aufwand tragen und zum Gelingen des Wettbewerbs beitragen,
  • die Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Tutoren, die jährlich die jungen Menschen ermuntern, begleiten und beraten, wenn es um die Erstellung einer "Jugend forscht" - Arbeit geht und
  • die vielen Interessenten, die die öffentliche Präsentation der Projekte besuchen und sich vom jugendlichen Forscherdrang anstecken lassen.


Allen Freunden, Förderern und Beteiligten der Wettbewerbe "Jugend forscht" und "Schüler experimentieren" gilt an dieser Stelle ein besonderer Dank für die vielfältige Unterstützung.

Die Jugendlichen messen sich in sieben Fachgebieten: Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik bzw. Informatik, Physik und Technik. Zusätzlich wird zwischen Schülern die jünger als 15 Jahre sind und den jungen Forschern (im Alter bis zu bis 21 Jahren) unterschieden. Die Jugendlichen melden sich jährlich bis zum 30. November im Team von ein bis drei Mitstreitern zum Wettbewerb an. Bis Januar legen sie dann eine schriftliche wissenschaftliche Arbeit von ca. 15 Seiten vor, die sie nach den Winterferien an zwei Wettbewerbstagen präsentieren. Am Freitag stellen sich die jungen Forscher und Forscherinnen den Fragen der Juroren; am Samstag werden die jeweiligen Sieger im Rahmen einer öffentlichen Feierstunde vorgestellt. Mit ihrem Sieg haben sie sich für den sächsischen Landeswettbewerb qualifiziert.

Auch im Jahr 2007 findet ein neuer Wettbewerb unter dem Motto "Helden gesucht" statt. Wir wünschen allen zukünftigen jungen Forschern viel Wissensdurst, gute Ideen, einen langen Atem und natürlich Erfolg bei der Umsetzung ihrer Forschungsprojekte.

Interessenten finden Informationen rund um die Wettbewerbe unter der Internetadresse www.jugend-forscht.de. Dort erfolgt auch die Anmeldung für den aktuell laufenden Wettbewerb.

[1] die in der DDR in etwa vergleichbare "Messe der Meister von Morgen" (MMM) gab es seit 1958