Museumskurier - Ausgabe 17 - August 2006

Dr. Rita Müller

Zeitenlicht - Fotoausstellung von Claudia Feger

 Die junge Chemnitzer Fotografin und Künstlerin, Claudia Feger, hat die verfallenen Gießereigebäude des ehemaligen VEB "Rudolf Harlaß" in der Werner-Seelenbinder-Straße 9 im August/September 2005, also wenige Monate vor dem Abriss, fotografiert.

Claudia Feger wurde 1978 in Karl-Marx-Stadt geboren und studierte Germanistik, Psychologie sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Ihre Leidenschaft aber gehört der Fotografie. Seit 2003 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in den Bereichen Fotografie, Malerei und Schmuckdesign.

Auf Motivsuche entdeckte Claudia Feger die marode Industriebrache der 1910/11 an der damaligen Scheffelstraße errichteten Gießerei. Die C. E. Seidels Eisengießerei m.b.H. hatte 1910 ein 21.050 m2 großes Grundstück in Altchemnitz gekauft. Es entstand eine Gießerei mit modernsten Anlagen und Ausrüstungen, u.a. mit einem Kupolofen mit automatischer Beschickung und Elektrolaufkränen bis 25 Tonnen Tragkraft. Wenige Jahre später (1917) erwarb die Schubert & Salzer Maschinenfabrik AG die Seidelsche Gießerei, die nach 1945 zum Volkseigenen Betrieb umgewandelt wurde und später zum VEB Gießerei "Rudolf Harlaß" gehörte. Nach der Privatisierung durch die Firma A. Friedr. Flender AG Bocholt (1991) verblieb dieser Gießerei-Standort bei der Treuhandanstalt und wurde 1992 geschlossen.

Claudia Feger dokumentiert nicht nur den Verfall der ehemaligen Gießereigebäude, sondern deutet den Verfall der einst lebendigen Industrielandschaft auch poetisch. Sie bearbeitet die Fotos als Literaturwissenschaftlerin, setzt Bild und Text in Beziehung. Die Bildtitel wie "Blühende Landschaften", "Gefährten der Angst", "Das Reich der Lichter", "Lebensweg", "Einsicht" oder "Fluchtpunkt" (man beachte hier das geöffnete Fenster!) bringen dies zum Ausdruck.