Museumskurier - Ausgabe 17 - August 2006

Frank Hartmann

Vom Dampf- zum Handbetrieb

Nachdem der Dienst unserer Dampfspeicherlok aus Kostengründen eingestellt wurde, begann die Suche nach einer sinnvollen Weiternutzung unserer Gleisanlage auf dem Museumsgelände. Eine Lösung schien Mitte Juli 2005 in Sicht und zwar der Betrieb einer Draisine. Nach ersten Recherchen im Internet musste ich allerdings feststellen, dass in Eisenbahnerkreisen so ziemlich alles, was keine Lok ist, als Draisine bezeichnet wird. So gibt es nicht nur die bekannten Handhebel- und Fahrraddraisinen, sondern auch einfache Motordraisinen mit Dach, Sitzbänken oder Ladefläche bis hin zu leistungsstarken Draisinen, die u. a. Bagger oder Kräne transportieren.

Im allwissenden Brockhaus wird die Draisine als "Ein leichtes vierrädriges, durch Menschenkraft oder Verbrennungsmotor angetriebenes Eisenbahnfahrzeug, das hauptsächlich bei der Bahnunterhaltung benutzt wird", beschrieben. Dort wird auch auf den Erfinder Karl Freiherr von Drais (1785-1851) verwiesen. Die Familie Drais war nicht unbegütert und erfreute sich der Gunst des Landesherren Markgraf Karl Friedrich von Baden. So war es Karl Drais möglich, nach dem Gymnasium ein Studium für Technik und Landwirtschaft in Heidelberg zu absolvieren. Doch sein Interesse als Forstinspektor am Wald war eher gering und so entband der Großherzog ihn von seinen Pflichten, zahlte aber sein Gehalt weiter. Ohne finanzielle Nöte konnte Drais sich nun seinen Forschungen widmen; er entwickelte eine Notenschreibmaschine und einen Dampfkochtopf. Seine berühmteste Erfindung war allerdings die zweirädrige "Laufmaschine", die "Draisine", mit der er am 12. Juli 1817 in Mannheim seine erste Fahrt unternahm. Aber auch Karl von Drais ereilte das Schicksal vieler Erfinder. Die Investitionen waren höher als die Einnahmen und nach dem Tod seines Vaters begann der soziale Abstieg.

Aber nun zurück zu unserer Museumsdraisine. Es stand fest, es sollte eine Handhebeldraisine mit möglichst originalem Erscheinungsbild sein. Die Auswahl an Anbietern solcher Fahrzeuge ist allerdings nicht sehr groß. Auch eine Anfrage bei der SWR Sendung "Eisenbahnromantik" blieb erfolglos. Die wenigen deutschen Hersteller waren zu teuer, so dass das Angebot der Firma INTERLOK aus Pila (Polen) verlockend war. Viele Kollegen waren skeptisch, in Polen ein Fahrzeug zu erwerben. Doch unsere Zuversicht wurde belohnt. Anfang April 2006 konnten wir die Draisine dank der finanziellen Unterstützung des Fördervereins in Empfang nehmen.

Die Draisine ist zu Sonderveranstaltungen und an regenfreien Wochenenden von den Besuchern selbst zu befahren.