Museumskurier - Ausgabe 17 - August 2006

Dr. Rita Müller / Katja Müller

Seine Plakate waren immer ein Blickfang - Zum Gedenken an Horst Geil

Am 20. Februar 2006 verstarb einer der berühmtesten Grafiker der DDR - Horst Geil. Er gestaltete in den 1950er Jahren die Werbung für den VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt und gab der Fewa-Johanna ein neues Outfit. Zu seinen bekanntesten Schöpfungen zählen das Fit- und das Barkas-Männchen.

Oskar Geil, Lithograf und Zeichner, lehrte seinen Sohn bereits früh den Umgang mit Zeichenstift und Farbe und gab ihn beim bekannten Chemnitzer Grafiker Rolf Keller in die Lehre. Anschließend absolvierte Horst Geil eine zweijährige Fachausbildung an der Industrieschule Chemnitz und besuchte die Kunsthochschule in Dresden. 1939 fand der Chemnitzer eine Anstellung bei der Fa. Hommola Reklamekunst. Kurze Zeit später wurde er als Soldat einberufen; der Krieg zerstörte für sechs Jahre alle seine weiteren Pläne.

Horst Geil geriet 1945 in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung aus dem Gefangenenlager in Dachau blieb Horst Geil zunächst in der Münchner Gegend. Erst das Angebot des Vaters, der seit einigen Jahren die Werbeabteilung der Böhme Fettchemie leitete, konnte Horst Geil motivieren, 'Fewa hält die Wohnung rein' (Plakat, 1950) wieder in seine Heimatstadt zurückzukehren. 1948 nahm er die Stelle als Werbegrafiker bei der Böhme Fettchemie an. Seine erste Aufgabe bestand darin, die Fewa-Johanna aus ihrem vom Krieg erzwungenen Schlaf zu erwecken und ihr ein neues Outfit zu verpassen. "Vor allem reizte mich, das bereits vorhandene Markenbild der Fewa-Johanna aus seiner Erstarrung zu lösen, ihm Leben und Inhalt zu geben", erklärte Geil. Etwas fraulicher, etwas freundlicher so strahlte sie bald die neuen und alten Kundinnen an.

Da sich das Sortiment des VEB Fettchemie stetig erweiterte, hauchte Horst Geil immer mehr Produkten Leben ein. Sehr bald löste er sich von den naturgetreuen Zeichnungen, wie sie bis in die 1940er Jahre üblich gewesen waren und entwickelte einen eigenen Stil: humorvoll, einfach und doch immer genau auf den Punkt. Die Werbung für die Waschmittelverpackung "Fay" zeigt sein Talent zur genialen Reduktion auf das Wesentliche.

Mitte der 1950er Jahre wagte er den Schritt in die Selbständigkeit und beschränkte seine Arbeit nicht mehr auf die Produkte des VEB Fettchemie. Seine Zeichnungen finden sich auch auf Plakaten der "Volksstimme" und von Museen. Sein Stil wurde zum Markenzeichen einer ganzen Epoche. Doch so beliebt seine Plakate und Kreationen auch waren, Werbung begann für die Wirtschaft und Industrie der DDR eine immer geringere Rolle zu spielen. Ab Mitte der 1970er Jahre wurde deutlich spürbar: konkurrenzlose Produkte benötigen keine durch Werbung unterstützte Verkaufsförderung; nur noch Exportwaren mussten beworben werden. Johanna, indes, ließ sich nicht so einfach vertreiben. Sie zierte u. a. Glückwunschkarten des VEB Fettchemie zum Internationalen Frauentag (8. März). Fortan arbeitete Horst Geil meist für den Export, bis er 1984 in Rente ging.