Museumskurier - Ausgabe 16 - April 2006

Joachim Heppe

Sonderausstellung "WEISSGLUT - vom Handwerk zur Hightech-Gießerei"

In der Zeit vom 17. Juni bis 3. September 2006 wird im Industriemuseum die o. g. Sonderausstellung stattfinden. Sie wurde von der Arbeitsgruppe Gießerei mit dem Anliegen initiiert, die Branche insgesamt bekannter zu machen. Aufgrund der Tatsache, dass sich das Industriemuseum in Gebäuden einer ehemaligen Eisengießerei befindet, ergibt sich hieraus noch ein zusätzlicher Reiz.

Das bemerkenswerte Konzept der Dauerausstellung hatte u.a. wesentlich dazu beigetragen, dass das Museum für 2005 den "EUROPEAN MUSEUM OF THE YEAR AWARD" erhielt. In dieser Dauerausstellung war von Anfang an auch eine Vielzahl von Gussteilen enthalten.

Ergänzend dazu werden in der Sonderausstellung Themen dargestellt, wie

  • Gießerei-Geschichte Mitteldeutschlands,
  • Prozess-Stufen von der Zeichnung zum Gussteil,
  • innovative Verfahren,
  • Ausbildung, Lehre und Forschung.


Ein Abschnitt wird "Gießerei zum Anfassen" sein, wobei einerseits "Schaugießen" und andererseits "Form- und Kernherstellung" von Besuchern selbst probiert werden kann. Auch die Werkstoffprüfung kommt zur Vorführung.

Es werden verschiedenste Gussteile aufgestellt, z. B. die Rotornabe einer Windkraftanlage mit ihrer beeindruckenden Größe, das älteste Gussteil Sachsens sowie extrem kleine Gussteile. Computer-Anwendungen, z. B für Prozess-Simulationen der Gießerei und für Prototyping sind zu sehen.

Gießereifachleute begleiten Sonderführungen und halten allgemeinverständliche Vorträge. Auch Fachvorträge für speziell interessierte Besucher sind vorgesehen. Einige Gießereien der Region sind bereit, nach Voranmeldung kleinen Gruppen ihren Produktionsprozess zu zeigen.

Am 1. Juli 2006 sind die ehemaligen und auch noch aktiven Gießereifachleute der Region zu einem "Traditionstreffen der Gießer" eingeladen. Dazu erscheint ein "Sonder-Museumskurier", der gegenwärtig von der Arbeitsgruppe Gießerei zusammen mit der Redaktion des "Museumskurier" erarbeitet wird. Das Heft stellt u.a. auch das gesamte Veranstaltungsprogramm vor.

Die Vorbereitungen der Sonderausstellung unterstützen sowohl die Arbeitgeberverbände "Deutscher Gießerei-Verband" (DGV) und "Gesamtverband Deutscher Metallgießereien" (GDM) als auch der Berufsverband "Verein Deutscher Gießerei-Ingenieure e.V." (VDG), das Gießerei-Institut der TU Bergakademie Freiberg sowie Bildungseinrichtungen und viele Unternehmen der Gießerei- und Zulieferindustrie.

Viele Menschen haben - noch - keine Vorstellung davon, was Gießereien heute leisten können; vielleicht kann sich das nach dem Besuch dieser Ausstellung ändern. Jeder hat täglich Kontakt mit Gussteilen aus den verschiedensten Metallen, oftmals ohne dass er das weiß, z. B.:

  • Hochwertige Handys und Laptops haben einen Grundkörper aus Leichtmetall-Druckguss
  • Jeder Pkw enthält Hunderte von Gussteilen für Motor, Getriebe, Fahrwerk und zunehmend auch für die Karosserie.


Selbstverständlich ist der Maschinenbau ein bedeutender Anwender von Gussteilen verschiedenster Art und unterschiedlicher Metalle; eine Vielzahl weiterer Beispiele wäre hier noch zu nennen. Die Gießereien in Deutschland sind eine High-Tech-Branche; sichtbar an folgenden Fakten:

  • Deutschland steht an 5. Stelle in der Welt mit seiner mengenmäßig immer noch wachsenden Gussproduktion; 2005 wurde erneut eine Rekordmenge erzeugt.
  • Bei der Entwicklung von Gusswerkstoffen und -verfahren ist Deutschland führend.
  • Die Informationstechnik hat umfassende Anwendung gefunden (Teile-Entwicklung am Computer und anschließende Optimierung der Gießerei-Prozesse mit Hilfe von Computer-Simulationen),
  • Die Qualitätssicherung erfolgt mit modernsten Methoden (Spektrometer, Röntgen, Computer-Tomographie).


Gussteile aus Metallen und deren Legierungen sind nach Nutzungsende vollständig recycelbar; Deutschland ist hierbei führend im Schutz von Natur und Umwelt.

Am Beispiel der Gießerei-Branche soll mit Hilfe dieser Sonderausstellung das Interesse für Metall- und Ingenieurberufe geweckt werden. Dafür gibt es fast in ganz Deutschland freie Studienplätze und nach erfolgreichem Abschluss praktisch eine "Beschäftigungsgarantie".