Museumskurier - Ausgabe 16 - April 2006

Günter Rudroph/Joachim Weinert

RUCKS Maschinenbau GmbH in Glauchau - ein sächsischer Betrieb mit Tradition

"Als sächsisches Kulturgut gehört der Maschinenbau zum festen Bestandteil dessen, was Sachsen ausmacht"
(Thomas Jurk, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit)


Die mit den Erfahrungen der Bergbau- und Montanindustrie sowie der Entwicklung der Textilindustrie im 19. Jahrhundert in Sachsen entstandenen Ansätze des Textil- und Werkzeugmaschinenbaus gehörten zu den Impulsgebern der industriellen Entwicklung in Deutschland. Aber was ist von den Pionieren des Industriezeitalters nach all den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüchen noch geblieben?

In Südwestsachsen sind da besonders zwei Betriebe erwähnenswert, die - obwohl schwere Zeiten durchlebt - auch heute noch ortsbeständig moderne Produkte des Maschinenbaus herstellen. Da ist einmal die Union Werkzeugmaschinen GmbH in Chemnitz, Hersteller von CNC-Waagerecht-Bohr- und Fräsmaschinen, die auf die Gründung des Elsässer Zeugschmiedes David Gustav Diehl vom 14.9.1852 zurückzuführen ist.

Viel weniger bekannt hingegen ist die RUCKS Maschinenbau GmbH in Glauchau, die die Herstellung von Gummi- und Kunststoffverarbeitungsmaschinen betreibt. Diese kleine Firma ist ein Familienbetrieb in der 5. Generation! Ein Blick auf die Betriebsentwicklung zeigt ein mit Geschick und Fleiß glücklich durch die Wogen der gesellschaftlichen Entwicklung gesteuertes Unternehmen.

Friedrich Benjamin Rucks (*1803 Großpöhla bei Schwarzenberg, †1866 Glauchau), Sohn des Stab- und Hammerschmiedemeisters Heinrich Rucks beim Großpöhlaer Hammer, lernte während seiner - der Modelltischlerlehre folgenden - Wanderschaft einen Herrn Hedrich, den Besitzer einer Maschinenfabrik aus Glauchau, kennen. Der überzeugte ihn, in Glauchau eine Gießerei zu gründen. Auf dem Grund und Boden der Firma Hedrich an der Zwickauer Mulde baute F. B. Rucks zusammen mit einem Franz Schmeißer aus Leipzig die Eisengießerei und Maschinenfabrik Rucks & Co. auf; die Firma wurde am 23. Okt. 1843 beim Rat der Stadt Glauchau registriert.

Durch eine Petition der Besitzer der Obererzgebirgischen Hammerwerke gegen die Betreiber von Kupolöfen in Sachsen (1844), kam auch die Firma Rucks & Co. in Schwierigkeiten, bis dann im Februar 1847 geklärt wurde, dass die Gießereien nicht dem Bergregal unterlagen, sondern das fabrikmäßige Verarbeiten des Roh- und Frischeisens der Formgebung diente.

1852 trennten sich die Herren Rucks und Schmeißer; die Firma wurde unter dem Namen Rucks weitergeführt. Friedrich Benjamin Rucks richtete eine eigene Eisengießerei und Maschinenbauwerkstatt unweit der ersten Werkstatt unterhalb der Niederen Muldenbrücke ein. Die Geschäftsräume in der Auenstraße 2 wurden am 24. Oktober 1852 auf einer dreieckigen Grundstücksfläche von ca. 6000 m2 zwischen der Zwickauer Mulde und der Waldenburger Straße bezogen. Bereits am 22. November 1852 erfolgte der erste Guss. Die Firma stellte je nach Auftrag Gussteile aller Art her, unter anderem Säulen, Gitter, große Zahnräder. Vom Jahre 1858 stammt ein erster Nachweis über den beginnenden Maschinenbau. Als Antriebsenergie für die Arbeitsmaschinen wurde anfänglich die Wasserkraft der Mulde genutzt. Die Maschinenkonstruktion übernahm der Betriebsleiter noch selbst. Nach dem Tod des Firmengründers trat sein Sohn Karl Robert 1866 in die Firma ein, die er fast bis zu seinem Tod 1934 leitete.

Karl Robert Rucks (*1840 Großpöhla, †1934 Glauchau) besuchte nach seiner Lehre im väterlichen Betrieb vom 6. Oktober 1856 bis Ostern 1858 als Schüler die "Königliche Werkmeisterschule zu Chemnitz", wo er unter der Matrikelnummer 30 eingeschrieben war. Zum Abschluss erhielt er für seine Leistungen das "Belobigungsdecret". Im April 1866 erwarb er die Bürgerrechte der Stadt Glauchau, damit er nach dem Tod seines Vaters den Familienbetrieb fortsetzen konnte. Mit Wirkung vom 31. März 1866 nannte sich die Firma daher "F. B. Rucks & Sohn". In das Produktionsprogramm wurden spezielle Öfen zur Erhitzung von Pressplatten eingegliedert und der Bau von Kalandern aufgenommen. In den 1880er Jahren trafen die Eigentümer der Firmen F. B. Rucks & Sohn und C. G. Haubold jr. (Chemnitz) die Absprache, dass Rucks den Kalanderbau und Haubold den Bau von hydraulischen Pressen einstellt.

Um 1870 begann der Bau von Spindelpressen. Die von diesen Maschinen aufgebrachten Druckkräfte genügten später den Anforderungen nicht mehr; es folgte der Bau hydraulischer Pressen und der zugehörigen Pumpen. Das ist umso bemerkenswerter, als seinerzeit nur im begrenzten Maße Zulieferbaugruppen für hydraulische Anlagen erhältlich waren. Hydraulische Pressen wurden ein Fertigungsgebiet, das bis heute die Hauptlinie des Betriebes darstellt. Die hydraulischen Pressen wurden in Säulen- oder Rahmenbauweise (in Unter- oder Oberkolbenbauart) errichtet. Die für die Textilindustrie entwickelten Heißplattenpressen fanden analog auch in der gummi-, kunststoff- und holzverarbeitenden Industrie Anwendung. Um die Wende zum 20. Jahrhundert begann der wirtschaftlich erfolgreiche Bau von Dampfplattenpressen, bei denen in die Presse montierte, mit Dampf durchströmte Platten verwendet wurden. Diese Pressen erwiesen sich später auch für andere Industriezweige, so bei der Gummi- und Holzverarbeitung (Furniere), als sehr geeignet. Durch die gesammelten Erfahrungen wurde der Wärmeeintrag in die Maschinen konstruktiv beherrscht.

Im August 1914 erlitt die Firma Schäden durch einen Brand, so musste der Wiederaufbau in den schwierigen Kriegsjahren betrieben werden. 1918 entstand eine neue Modelltischlerei. Die nachfolgende Krisenzeit der Inflation und der Weltwirtschaftskrise wurde mit Mühe und großen Verlusten gemeistert (in den Jahren der Weltwirtschaftskrise wurde die Gießerei zeitweise stillgelegt). Um 1930 hatte die Firma eine Exportrate von ca. 50 % und es konnten wieder Investitionen erfolgen.

Nach dem Ableben von Karl Robert Rucks (1934) übernahm sein Sohn, Friedrich Robert Reinhold Rucks (*1892 Glauchau - †1974 Glauchau), der schon seit 1919 Mitinhaber war, dann offiziell die Firmenleitung. Auch er hatte in Chemnitz - an der "Königlich Höheren Gewerbschule" - und zwar von Ostern 1909 bis Frühjahr 1911 studiert.

1935 wurde die Serienherstellung von Strumpfformmaschinen aufgenommen und auch der Bau von hydraulischen Pressen erhielt neuen Auftrieb. Durch den 2. Weltkrieg musste der Bau von Strumpfformmaschinen aber wieder eingestellt werden. Während des Krieges wurden keine unmittelbar kriegswichtigen Produkte hergestellt (vermutlich aber Lohnarbeit).

Der Sohn, Friedrich Reinhold Rucks (*1923 Glauchau), wurde nach dem Abitur 1943 zur Wehrmacht eingezogen. Er kam im Herbst 1945 aus der Kriegsgefangenschaft zurück und trat im Januar 1946 in die Firma ein. Nach der Schlosserlehre wurde er 1948 Mitbesitzer und später Betriebsleiter. Das Werk überstand den Krieg mit geringen Schäden. 1945 sollte die Firma demontiert werden; der Abtransport der Maschinen wurde aber in letzter Minute gestoppt. Auch 1946 war der Bestand durch den sogenannten Volksentscheid gefährdet; der Betrieb wurde jedoch von der Liste der zu verstaatlichenden Betriebe gestrichen. Die Produktion lief wieder an, vorwiegend mit Reparaturen von Pressen.

Als die Neuproduktion in den 1950er Jahren wieder aufgenommen wurde, entwickelte sich die Firma Rucks zum Alleinhersteller hydraulischer Heizplattenpressen in der DDR. Am 1. Januar 1960 wurde der Betrieb in eine KG mit 30%igem staatlichen Anteil umgewandelt, da ansonsten Materiallieferungen sehr erschwert wurden. Trotz ständiger Produktionssteigerung konnten die terminlichen Vorstellungen mit der veralteten Technik und der Materialsituation nicht immer eingehalten werden. Am 1. Mai 1972 folgte die zwangsweise "Verstaatlichung"; die Firma wurde nun "VEB Pressenbau Glauchau" genannt und Reinhold Rucks wurde zum Betriebsleiter ernannt.

Im Jahre 1979 wurde der VEB Pressenbau Glauchau dem bezirksgeleiteten Kombinat "Holzwerkstoffe, Beschläge und Maschinen" zugeordnet.

Ein Spezialauftrag für die Firma war die Entwicklung von hydraulischen Säulenpressen zur Herstellung von Duroplast-Teilen (Baumwollmatten mit Phenolharz) - für den Bau der Kunststoffkarosserie des Pkw "Trabant". Zwischen 1958 und 1989 lieferte die Firma dafür ca. 50 Pressen. Sonderpressen der Fa. RUCKS / VEB Pressenbau Glauchau stehen noch in verschiedenen Betrieben z .B. in der Schleifscheibenfabrik GmbH Rottluff.

1988 schied Reinhold Rucks auf eigenen Wunsch als Betriebsleiter der Firma aus; blieb aber beratend tätig. Der Betrieb hatte zu diesem Zeitpunkt eine Belegschaft von ca. 50 Personen. Der Einsatz eines neuen staatlichen Leiters währte nur ein Jahr.

1990 wurde der Betrieb von der Treuhandanstalt übernommen, die einen weiteren zeitweiligen Betriebsleiter einsetzte. Zeitgleich begann nach der Wiedervereinigung 1990 die Bemühung um die Rückübertragung des Betriebes, die im April 1992 unter Leitung von Reinhold Rucks erreicht wurde. Der Betrieb konnte im Bemühen um neue Märkte zunächst nur noch ca. 15 Personen beschäftigen.

Inzwischen hat sich die Firma durch Qualität und Kundennähe als Hersteller hydraulischer Pressen am Markt behauptet. Die Belegschaft soll aber auch künftig 30 Personen nicht wesentlich übersteigen. Die Maschinen aus Glauchau finden in der Kunststoffveredlung, in der Reifenindustrie und im holzverarbeitenden Gewerbe Anwendung. Das Kundenspektrum im In-und Ausland reicht von kleineren Gewerbebetrieben bis zu Konzernen wie BASF, Shell oder Dunlop. Ein Großteil der Arbeitsmittel sind noch WMW-Maschinen. Die Gebäude sind intakt, sie tragen die Merkmale eines sich ständig weiterentwickelten Gemeinwesens. Im Gelände sind noch Spuren der ehemaligen Gießerei zu sehen. Die alte Gießereihalle aus der Gründungszeit - mit der durch Gussäulen gestützten Kranbahn - ist heute Stahllager. Gegenüber, in einem renovierten Fachwerkbau, befand sich damals die Modelltischlerei.

Seit 1995 leitet Herr Dipl.-Ing. Rainer Rucks (*1962) als Geschäftsführer den mittelständischen Familienbetrieb, der im Jahre 2003 bereits sein 160jähriges Jubiläum feiern konnte.

Kundenanpassung und Innovationsfreude führten dazu, dass seit 1900 über 6.100 Pressen in einer breiten Typenvielfalt mit einem Presskraftbereich <5 000 kN (Maschinenmasse meist <18 t) von der Firma RUCKS Maschinenbau GmbH (und deren Vorgänger) geliefert wurden. Die Maschinen sind vorzugsweise mit einer SIEMENS-Steuerung ausgerüstet (SIMATIK S 5, S 7). 2003-2005 lag der Umsatz jeweils bei 3 Mio. Euro. Die Belegschaft umfasst 28 Mitarbeiter, davon vier Lehrlinge, die entweder als Mechatroniker oder Industriemechaniker ausgebildet werden.