Museumskurier - Ausgabe 16 - April 2006

Eberhard Kreßner

"MOTORENWERKSTATT - vom Muskelprotz zum Saubermann"

Vor einem reichlichen Jahr konkretisierte sich in der Arbeitsgruppe Kraftfahrzeugtechnik der Gedanke, für Publikum und Museumspädagogik einen Beitrag zu "Sächsischen Leistungen auf dem Gebiet der Kraftfahrzeugantriebstechnik im Kontext zu den aktuellen Themen des Klimaschutzes" zu leisten.

Für dieses Vorhaben wurde von der Leitung des IMC Interesse bezeugt, da eine solche Ausstellung nicht die in der Region bereits existierenden typischen Kraftfahrzeugausstellungen fortsetzt. Mit dieser "Planungssicherheit" konnten wir beginnen, Stück für Stück geeignetes Material zusammenzutragen. Die Angehörigen vom "Technischen Stammtisch der IAV" und die Aktiven der Arbeitsgruppe Kfz-Technik verbrachten zahllose Stunden, um potentielle Leihgeber und Sponsoren zu kontaktieren, diese vom Inhalt der Ausstellung zu überzeugen, Hinweisen nachzugehen, Depots einschlägiger Museen der Region zu durchstöbern, Gestaltentwürfe für die Ausstellung zu erarbeiten, um diese der Museumsleitung vorzustellen. Die herangeschafften Objekte waren fast durchweg in einem restaurationsbedürftigen Zustand. Dem Engagement der Mitwirkenden ist es zu verdanken, dass durch Eigeninitiative, der tatkräftigen Mithilfe ehrenamtlich arbeitender Jungfacharbeiter der IAV GmbH, dem Gewinnen der Lehrwerkstatt von Siemens und Privatfirmen, die Exponate in einen attraktiven, ausstellungswürdigen Zustand versetzt werden konnten. Durch die traditionell guten Kontakte zur Volkswagen Sachsen GmbH, insbesondre dem Bereich Motorenfertigung in Chemnitz, wurden die neuesten Motoren der Fertigung, mit interessant gestalteten Einblicken in ihr kompliziertes und dem von hoher Präzision geprägten "Innenleben", speziell für unsere Ausstellung, von der Lehrwerkstatt des Volkswagen Bildungsinstitutes perfekt hergestellt.

Der Begrenztheit des Raumes, der sich an das bereits bestehende Fahrzeug-Depot anschließt - der zudem auch den Aufgaben der Museumspädagogik dienen wird - ist es geschuldet, dass von der für die Gesamtgestaltung verantwortlichen Firma Helmstedt und Schnirch eine sehr kompakte Anordnung der ausgewählten Exponate gewählt wurde.

Der Besucher betritt die Ausstellung vom Fahrzeug-Depot aus, in der komplette Fahrzeuge mit alternativen Antriebskonzepten, u. a. Trabant mit Dieselmotor und ein MZ-Motorrad mit 4-Takt-Ottomotor und Direkteinspritzung zu sehen sind; - bis Anfang Mai 2006 auch ein von der Westsächsischen Hochschule Zwickau (FH) bereitgestelltes Hybrid-Experimentalfahrzeug mit 2,4 Liter(!) Kraftstoff-Durchschnittsverbrauch auf 100 km.

An Zugängen weiterer, ernstzunehmender zukunftsorientierter Fahrzeuge wird gearbeitet. Die Ausstellung teilt sich in drei Abschnitte

  • historische Verbrennungsmotoren,
  • die Entwicklung zu modernen Einspritzsystemen/Abgasnachbehandlung bei Otto- und Dieselmotoren durch Katalysatoren und Partikelfiltertechnologien,
  • Alternative Antriebe und Kraftstoffe

und zeigt dem technisch interessierten Besucher nicht nur die Leistungen der Vorfahren, sondern auch das unmittelbar auf dem Markt befindliche "know how" - ergänzt um Blicke in die unmittelbare Zukunft. Sie wird "nach oben offen" sein, d. h. ständig um Innovationen ergänzt werden. Multimedia-Angebote bieten Interessierten tiefere Einblicke; dazu wird schrittweise abrufbares Hintergrundmaterial erarbeitet. Dem Besucher soll auch ein Gefühl vermittelt werden, worauf er bei einem eventuellen Kauf eines Kraftfahrzeuges achten könnte, um Kraftstoff zu sparen und den Klimawandel nicht noch zusätzlich zu beschleunigen. Diese Dauerausstellung ist ab dem 08. April 2006 unter dem Leitgedanken: "MOTORENWERKSTATT - vom Muskelprotz zum Saubermann" für die Öffentlichkeit geöffnet.

Für die Museumspädagogik stellt sich die Aufgabe, mit diesem neuen Segment Jugendliche für technische Berufe zu begeistern. Ein mobiler Motormontagebock wird interessierten Schülern unter Anleitung gestatten, selbst an einem modernen Motor zu "schrauben", um Verständnis und Interesse für technische Prozesse zu wecken.