Museumskurier - Ausgabe 16 - April 2006

Wolf Schulze

Jugend kann mehr - als nur mit dem Handy telefonieren ...!

Anfang Dezember 2005 fragten Jugendliche der Valentina-Tereschkowa-Mittelschule im IMC an, ob sie nicht im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft an Restaurierungsarbeiten mitwirken könnten.

Im Verlauf des Gespräches erfuhren wir, dass die Schüler sich nicht "auf Anregung" ihrer LehrerInnen im Industriemuseum einfanden, sondern diesen Kontakt selbst initiiert hatten. Die Idee war bei ihrer Suche nach einer sinnvollen Freizeitgestaltung entstanden.

Das Interesse der Schüler an der Museumsarbeit, an historischen Maschinen und Technik lässt sich hervorragend mit den pädagogischen Zielen des Industriemuseums vereinbaren. Wir wollen sinnvolle Freizeitbeschäftigungen für Alt und Jung anbieten, gleichzeitig aber besonders jungen Menschen Berufsbilder vermitteln, sie auf bisher unentdeckte Fähigkeiten aufmerksam machen und Naturwissenschaftler wie Ingenieure für morgen gewinnen.

Im Dezember 2005 zeigten wir den Schülern erst einmal unser Museum und sprachen mit ihnen ausführlich darüber, was sie von uns - und wir von ihnen erwarten. Anhand von ausgewählten Exponaten sollen die Jugendlichen erfahren, wie aus einer ausrangierten Maschine ein Museumsschmuckstück entsteht.

Aber um eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben zu rufen und sie verantwortlich zu leiten, bedarf es eines großen Engagements und einer entsprechenden finanziellen Unterstützung. Gerade deswegen sind die Schüler dem Vorstand des Fördervereins sehr dankbar, dass dieser die Wichtigkeit der Aufgabe erkannt und seine Hilfe angeboten hat. Er beantragte Fördermittel, das Museum stellte Räumlichkeiten zur Verfügung, Tische und Werkzeug wurden herangeschafft und weitere Kollegen aus dem Museum und Förderverein für dieses Unternehmen gewonnen. Die Jugendarbeitsgruppe Technik war gegründet; sie soll das Technikbewusstsein junger Menschen fördern.

Am 19.01.2006 ging es bereits das erste Mal so richtig zur Sache. Gemeinsam mit dem Restaurator reinigten die Jugendlichen eine alte Schleifmaschine für Drehmeißel. Dabei wurde viel Schmutz und Staub aufgewirbelt. Leider hatten bisher nicht alle Schüler einen Arbeitskittel. Doch vielleicht lässt sich mittelfristig entsprechende Kleidung organisieren! Zurzeit arbeiten die Schüler an der Restaurierung einer großen Drechselbank mit dem stattlichen Gewicht von knapp einer halben Tonne. Sie hoffen sehr, dass diese Maschine im Herbst im Museum vorgeführt werden kann. Natürlich wünschen sie sich aber auch, etwas Weihnachtliches auf dieser historischen Maschine für das dann anstehende Fest zu drechseln.

Gerne würden die Schüler das Museum bei Ferienaktionen und zur Museumsnacht unterstützen. Eine Herausforderung wäre es für die Jugendlichen, interessierten Besuchern Teile der Ausstellung zu erläutern und vorzuführen und damit dem Förderverein für seine Unterstützung zu danken!