Museumskurier - Ausgabe 16 - April 2006

Dr. Jochen Haeusler

Drei Briefe des Karl Winkler aus Chemnitz an seine Eltern in Nürnberg (1867)

Industriegeschichte schlägt sich manchmal auch in den Briefen ihrer Akteure nieder. Das gilt zum Beispiel für den Gründer der erfolgreichsten Kunstschlosserei in St. Petersburg, Karl Winkler (1845 - 1899). Er wurde in Schwabach geboren, besuchte in Nürnberg, wo sein Vater als Landgerichtsarzt arbeitete, die Lateinschule und versuchte sich am dortigen Polytechnikum. 1865 verließ er das Elternhaus, um am Polytechnikum in Karlsruhe seine Studien mit mehr Befriedigung fortzusetzen. Von da ab sind viele seiner Briefe erhalten, die er seinen Eltern und Geschwistern nach Hause schrieb. Drei davon entstanden in Chemnitz, seiner zweiten und für ihn bedeutendsten beruflichen Station nach einer Beschäftigung in Zwickau. Was er in Chemnitz lernte, setzte er mit großem Erfolg ab 1872 in der Hauptstadt des Zarenreiches um. Dort stehen noch heute viele Kunstschmiedearbeiten seiner Firma unter Denkmalschutz, z.B. das berühmte Gitter des Michailowski-Gartens. Karl Winkler muss das technische Niveau der Stadt Chemnitz und ihrer Firmen so beeindruckt haben, dass er auch seinem Sohn Otto riet, später einmal an die Königliche Gewerbschule zu gehen, wo dieser dann auch von 1902 bis 1905 studierte. Wegen der ersten russischen Revolution (1905) kehrte er vorzeitig nach St. Petersburg zurück und führte dann bis zum 1. Weltkrieg in seiner Firma ein strenges Regime.