Vereinskurier - Ausgabe 15 - Dezember 2005

Peter Stölzel

Vom Zentrum der deutschen Stahlindustrie zum Museumsstandort

Vom 11. bis 16.September 2005 veranstaltete der Förderverein eine Reise in das Ruhrgebiet zum Kennenlernen der heute wichtigsten Museumsstandorte dieser Region. Mit 32 Teilnehmern ging es mit dem Bus nach Solingen, wo wir im Turmhotel unser Quartier für die nächsten fünf Tage bezogen.

Von Solingen aus wurde jeden Tag eine andere Gegend von Nordrhein-Westfalen bereist. Stationen dieser Reise waren: die Stiftung Zollverein Essen, die Stadt Dortmund, das alte Schiffshebewerk Henrichenburg, die Stadt Düsseldorf, die Jahrhunderthalle Bochum, der Gasometer Oberhausen, die Zeche Zollern und die Kokerei Hansa Dortmund, die Henrichshütte Hattingen, die Schwebebahn Wuppertal, Villa Hügel Essen, der Innenhafen Duisburg, das Neanderthal Museum Mettmann, die Städte Köln und Bonn sowie Königswinter mit einem Dampferausflug auf dem Rhein.

Einst war das Ruhrgebiet der Inbegriff für die Stahl- und Schwerindustrie Deutschlands. Hier fand bereits vor 150 Jahren - dank vorhandener Bodenschätze und einer klugen Investitionspolitik der damaligen preußischen Regierung - eine beschleunigte Entwicklung der Industrie statt. Die deutschen Stahlbarone und "Kanonenkönige" schufen sich hier ihr Imperium und bauten an Rhein und Ruhr ihre modernen "Schlösser" und "Burgen". Imposant und gleichzeitig gewaltig vermittelt z. B. die Villa Hügel in Essen davon dem Besucher einen Eindruck. Das Ruhrgebiet mit einer 150jährigen industriellen Vergangenheit wird auch heute noch zum Teil von Bauwerken aus diesen Zeiten geprägt. Aber es hat - im Zeitraum der letzten 20 Jahre - einen kompletten industriellen Wandel gegeben, der zwar der Landschaft ein freundliches Aussehen gegeben hat und große Veränderungen im Leben der Menschen dieser Region bewirkte.

"Es fliegen heute keine Briketts mehr durch die Luft" (Zitat der Dortmunder Stadtführerin) wie vor 25 Jahren, als noch ein großer Teil der Stahlwerke, Kokereien, Walzwerke und Bergwerke in Betrieb war. Der Wandel der Schwerindustrie hat dort tiefe Spuren gezogen; heute hat z. B. die Region Dortmund einen Arbeitslosenanteil von über 17%.

Riesengroße Flächen ehemaliger Fabrikgelände sind zwar saniert und weitgehend beräumt, aber es besteht offenbar kein Bedarf an diesen Flächen. Gegenwärtig prägen Handelsimperien, Medienindustrie und Maschinenbau das Bild des Ruhrgebiets. In Düsseldorf ist man bemüht, am Rheinhafen mit avantgardistischen Architekturlösungen, Firmen der Medienbranche und des Versicherungswesens anzusiedeln und für Investitionen zu gewinnen.

Bereits in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts begann man im Rahmen des sich vollziehenden Strukturwandels der deutschen Schwerindustrie, ehemalige Produktionsstätten in technische Schauanlagen zu verwandeln und damit lebendige industriekulturelle Räume und attraktive Veranstaltungsorte mit touristischer Anziehungskraft zu schaffen. Eine "Route der Industriekultur" verbindet diese Stätten miteinander auf einem über 400 Kilometer langen Rundkurs durch das Ruhrgebiet und technisch sowie historisch Interessierte können diese Stationen besuchen. Einen Teil davon konnten wir auf dieser Reise sehen und erleben.

Für alle war das ein schönes Erlebnis mit vielfältigsten Eindrücken. Dem Organisator der Reise, Herrn Wolfgang Kunze, wird hiermit der Dank für den reibungslosen Reiseverlauf ausgesprochen.