Vereinskurier - Ausgabe 15 - Dezember 2005

Gisela Strobel

Sächsische Reklamemarken

In den ersten Jahren des Bestehens des Industriemuseums Chemnitz wurden zumeist große Objekte wie Maschinen und Werkzeuge in den Sammlungsbestand aufgenommen und bildeten den Grundstock der Sammlung. In letzter Zeit folgten diesen verstärkt kleinere Sachzeugen, darunter Kunstwerke zur Industriegeschichte, Gegenstände aus Papier wie Urkunden, Aktien und Inflationsgeld sowie industriell hergestellte Gegenstände der Alltagsgeschichte oder der Werbung. Sie bereichern hauptsächlich als Schenkungen oder Sachspenden den Sammlungsbestand. In weit geringerem Maße als in den 1990er Jahren werden nun Sammlungsgegenstände angekauft. Nicht selten erfolgt dabei der Ankauf mit Unterstützung des Fördervereins Industriemuseum e. V.

Zu diesen Ankäufen zählte 2004 eine umfangreiche Sammlung von Reklame- und Siegelmarken, die ein privater Sammler aus München dem Museum anbot. Der Ankauf von etwa 350 Reklamemarken, 300 Siegelmarken sowie Inflationsgeld verschiedener sächsischer Städte erfolgte dank Finanzierung des Fördervereins, der dafür 2.200 € bereitstellte.

Sowohl Reklame- als auch Siegelmarken wurden ursprünglich als Briefverschlussmarken herausgegeben und genutzt. Die bunten, sorgfältig und liebevoll von Grafikern gestalteten Abbildungen auf den Reklamemarken sind ein Beweis für den Ideenreichtum der Werbung in der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die kleinen Kunstwerke wurden für die unterschiedlichsten Firmen entworfen und als kostenlose Warenbeigaben verteilt. Sie warben vor allem für Lebens- und Genussmittel, für Modewaren, aber auch für Ausstellungen und andere Ereignisse. Kinder sammelten sie - gleich den Zigarettenbildern. Der Beginn des Ersten Weltkrieges beendete die Herausgabe der Reklamemarken. Heute sind sie ein selten gewordenes Zeugnis der Werbebranche.

Die nun dem Industriemuseum Chemnitz übergebenen Reklamemarken ergänzen den vorhandenen Bestand. Sie wurden nahezu alle für sächsische Firmen gestaltet und repräsentieren hier ansässige Industriezweige, insbesondere der Konsumgüterindustrie. So finden sich beispielsweise die

  • Nahrungs- und Genussmittelindustrie mit Marken der Wurzener Kunstmühlenwerke und Biscuitfabriken vorm. F. Krietsch, der Leipziger Margarinefabrik Richard Held, der Actien Gesellschaft Deutsche Cognacbrennerei Siegmar sowie der Gebr. Hörmann AG, Dresden,
  • chemische und kosmetische Industrie mit Eduard Beyer, Chemische Fabrik für Tinten, Chemnitz, AHA Bergmann, Waldheim, Cirine-Werke Böhme & Lorenz, Chemnitz sowie Farbenfabriken Otto Baer, Dresden
  • aber auch der Maschinenbau mit der Aktiengesellschaft vorm. Seidel & Naumann, Dresden. Dazu kommen Marken der Leipziger Messe, von Händlern, Marken von Kunst- und anderen Ausstellungen sowie Marken mit Stadtwappen nahezu aller sächsischen Städte. Echte Siegelmarken sächsischer Städte und Gemeinden ergänzen den interessanten Ankauf.

Dies ist eine kleine Auswahl aus dieser Reklamemarken-Sammlung. Eine repräsentative Auswahl werden die Mitglieder des Fördervereins und ihre Gäste im Rahmen der Jahreshauptversammlung (28. Januar 2006) im Industriemuseum sehen können.