Vereinskurier - Ausgabe 15 - Dezember 2005

Wolfgang Hähnel

Kommerzienrat Carl Herrmann Haubold (1845 - 1905)

Am 12. März 1905 verstarb mit dem Kommerzienrat Carl Herrmann Haubold der wohl erfolgreichste Firmeninhaber der "C. G. Haubold jr." in Chemnitz.

Der Familienname "Haubold" ist in Chemnitz mit dem Beginn des eigenständigen - von Spinnereien unabhängigen - Maschinenbaus in der hiesigen Region verbunden. Carl Gottlieb Haubold arbeitete in den ersten Maschinenspinnereien der Gebrüder Bernhardt sowie Wöhler & Lange und errichtete nach eigenen Maschinenbauversuchen schon 1815 eine selbständige Werkstätte. In der späteren Fabrik arbeitete auch sein Vetter Carl Gottfried Haubold, der am 8. Oktober 1837 in der heutigen Hartmannstraße eine eigene Maschinenfabrik, die "C. G. Haubold jr." in Chemnitz gründete.

In ihr wurde von Anfang an auf den Einsatz der noch jungen Dampfkraft orientiert, was zwar ein mutiger - die Dampfmaschine steckte noch in den Kinderschuhen - aber auch ein notwendiger Schritt war; das Firmengelände lag ja nicht an einem Wasserlauf. Obwohl in dieser Maschinenfabrik mehrere Neuerungen und Verbesserungen eingeführt wurden, so wurde 1839 der erste Kalander auf dem europäischen Kontinent, 1840 die erste Zentrifuge in Deutschland und ab 1844 eine gegenüber den englischen und französischen Maschinen verbesserte Dreifarbendruckmaschine gebaut, war diese Firma zwar bekannt, aber blieb ein kleines Unternehmen. In einer Statistik sächsischer Unternehmen mit mehr als 40 Beschäftigten (1855), befand sie sich nicht in der Aufzählung. Nach dem Tod des Carl Gottfried Haubold (1862) wurde sein Sohn Friedrich Herrmann Haubold Firmeninhaber.

Carl Herrmann Haubold an dessen Todestag vor einhundert Jahren hier erinnert werden soll, wurde am 21. Juni 1845 in Chemnitz als ältester Sohn des Friedrich Herrmann Haubold und Enkel des Firmengründers Carl Gottfried Haubold geboren. Er wuchs faktisch in der Fabrik seines Großvaters auf, der dabei schon zeitig die Anzeichen technischer Begabung seines Enkels erkannte. Nach seiner Schulzeit begann er in der Fabrik seiner Väter eine Maschinenbaulehre und mit diesem praktischen Rüstzeug setzte er an der Baugewerken- und Werkmeisterschule in Chemnitz vom 1. Oktober 1860 bis Ostern 1862 seine theoretische Ausbildung fort. Nach dem bestandenen Examen arbeitete er wieder im väterlichen Betrieb und unternahm zur Erweiterung seiner praktischen und theoretischen Kenntnisse Montagereisen zu Kunden im In- und Ausland. Er wurde dadurch zu einer tatkräftigen Stütze seines Vaters Friedrich Herrmann Haubold in der Leitung des Unternehmens und trat 1873 mittels eines Gesellschaftervertrages als Teilhaber in die Firma ein, die er dann 1877 zum Kaufpreis von 114.000 Mark in alleinige Verantwortung übernahm. Unter seiner Führung gelang es ihm nun, die "C. G. Haubold jr." zu einem Großbetrieb des Maschinenbaus in Chemnitz zu entwickeln. Diesem Prozess kam auch die Entwicklung der Stadt Chemnitz selbst entgegen, die 1883 die Einwohnerzahl von 100.000 erreichte und damit zu den Großstädten im Deutschen Reich zählte.

Mit seiner Entscheidung, eine 6 m lange amerikanische Walzenschleifmaschine aufzustellen (1878), - was auch durch amerikanische Monteure erfolgte - erregte er damals einiges Aufsehen. Aber damit wurde der Betrieb auch unabhängig vom Import geschliffener Hartgusswalzen aus den USA, welche für die Kalanderherstellung notwendig waren.

Nach einem preiswerten Geländeerwerb an der 1884 geschaffenen Uhlichstraße erfolgte dort der Bau einer Montagehalle, vornehmlich für die Herstellung von Kalandern. Diese Halle mit 150 m Länge und 30 m Breite, sowie zwei umlaufenden Galerien, galt als die damals praktischste Anlage aller bestehenden Maschinenbauwerkstätten.

1887 wurde eine moderne Gießerei auf eigenem Gelände an der Reichsstraße errichtet. Damit hatte Carl Herrmann Haubold das Ziel seines Vaters erreicht und das Unternehmen vom Fremdguss unabhängig gemacht. Die Leistungen dieser Gießerei wurden - nach einer Erweiterung 1889 - bei 106 Arbeitskräften mit jährlich 2.500 t Gussteilen beziffert.

Auch in der innerbetrieblichen Organisation wurde verändert und modernisiert, eine Schmalspurbahn verbesserte den innerbetrieblichen Transport zwischen den einzelnen Fertigungsstätten und das 1884 eingeführte Akkordsystem brachte dem Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg für den weiteren Aufschwung.

Bei der Firmengründung umfasste das Areal ca. 1.900 m2 und hatte zum 50jährigen Bestehen (1887) mit 27.000 m² fast die maximale Fläche des späteren Hauptwerkes erreicht (1937: 32.000 m²).

In diesem Jahr beging die "C.G. Haubold jr." das Firmenjubiläum mit einer Gemeinschaftsfeier aller Mitarbeiter im damals größten Saal der Stadt, im "Colosseum". Daneben erhielt jeder Mitarbeiter ein Sparbuch, dessen Einlagehöhe sich nach der Beschäftigungsdauer im Unternehmen richtete, je Beschäftigungsjahr wurden 12 Mark aufgerechnet.

Das Schreiben des Rates der Stadt zum Jubiläum lautet:

"Herrn Maschinenfabrikant Carl Herrmann Haubold, hier
Mit heute erfüllt sich das 50. Jahr seit der Begründung der Firma C. G. Haubold jr.
Wir nehmen deshalb gern Veranlassung, Ihnen als dem Chef des Hauses, unsere herzlichsten Glückwünsche zur Feier dieses für Sie hochwichtigen Gedenktages hiermit auszusprechen.
Gott nehme Sie und Ihr Haus auch fernerhin in seinen gnädigen Schutz
Chemnitz, am 8. October 1887
Der Rat der Stadt Chemnitz
Vetters, Bürgermeister"

Es ist sicherlich als ein Verdienst von Carl Herrmann Haubold anzusehen, wenn bereits 1888 seine Firma wie folgt beurteilt wurde:

  • "... streng dem Prinzip folgend, nur das Beste und Vollkommenste zu liefern, errang sich die Fa. Haubold durch ihre Produkte im In- und Auslande sehr bald eine geachtete Stellung ..."
  • "... Die Fabrik ist daher auch bei allgemein schlechtem Geschäftsgang immer vollständig beschäftigt gewesen ..."


Als Absatzgebiete wurden bereits - neben Europa - auch Nord- und Südamerika, Afrika und Asien (China und Japan) genannt.

Der Bau weiterer Gebäude im Areal an der Hartmann-, Reichs-, Uhlich- und Kaßbergstraße belegt auch das Aufstreben der Firma unter Leitung von Carl Herrmann Haubold. Von den zu dieser Zeit errichteten Gebäuden bestehen heute noch die Hallen an der Hartmannstraße (1887) und parallel zur Kaßbergstraße (1903) als Einkaufszentrum (ERMAFA-Passage).

Die 1898 errichtete eigene Kraftanlage mit zwei Dampfmaschinen reichte bereits 1905 für den betrieblichen Kraftbedarf nicht mehr aus, so dass der Anschluss an das städtische Stromnetz erfolgte. Die Belegschaftsstärke war bis zur Jahrhundertwende auf inzwischen 800 Mann angestiegen.

Das 30jährige Wirken von Carl Herrmann Haubold für den Betrieb war eine Periode ständigen Fortschritts und machte das Unternehmen zu einem beachtenswerten Faktor in der sächsischen Wirtschaft. Das drückte sich nicht nur durch Medaillen und Diplome in- und ausländischer Ausstellungen, sondern auch in den Besuchen sächsischer Könige (1885: Albert, 1902: Georg und 1905: Friedrich August III.) in der "C. G. Haubold jr." aus. Der Verleihung des Ritterkreuzes I. Klasse zum Albrechtsorden (1898) folgte 1902 die Ernennung zum Königlich Sächsischen Kommerzienrat.

Sein äußerst erfolgreiches Wirken für das Unternehmen kann auch daran gemessen werden, dass das Geschäftsvermögen sich bei Übernahme der väterlichen Firma (1877) von 114.000 Mark, über 985.158 Mark (1884) bis auf ca. 3,8 Mio. Mark (1905) erhöht hatte. Die kluge Finanzpolitik von Carl Herrmann Haubold sicherte die Eigenfinanzierung bei Erweiterungen oder Modernisierungen im Unternehmen und bewirkte, dass die "C. G. Haubold jr." beim Ableben des Kommerzienrats schulden- und hypothekenfrei war. Wenige Tage nach dem Besuch des sächsischen Königs im Werk, verstarb Kommerzienrat Carl Herrmann Haubold am 12. März 1905 in Chemnitz. Gemäß seinem Testament wurde die Firma in die "C. G. Haubold jr. GmbH" umgewandelt.

Seine Beisetzung erfolgte im Erbbegräbnis der Familie Haubold (siehe Foto) auf dem Neuen Städtischen Friedhof. Als Besonderheit des Grabmals kann das Bildrelief angesehen werden, das eine Werkstatt zeigt, in der Carl Herrmann Haubold selbst als Schmied dargestellt ist. Das Grabmal der Familie Haubold selbst gehört zu den schönsten und ausdrucksstärksten auf diesem Friedhof.

Nachtrag der Red.: Am 31. März 2005 würdigte Herr Wolfgang Hähnel mit einem Vortrag im Förderverein das Wirken von Carl Hermann Haubold anlässlich dessen 100. Todestages.