Vereinskurier - Ausgabe 14 - August 2005

Der Handel mit Werkzeugmaschinen und das Außenhandelsmonopol in der DDR (Teil 2) (Fortsetzung des Beitrages aus dem Vereinskurier 13)

Organisation Außenhandel
Eine Werkzeugmaschine ist als Produktionsmittel ein komplexes Gebilde, welches den Bedürfnissen und Erfordernissen beim jeweiligen Kunden zum Einsatzzeitpunkt entsprechen muss. Aus diesem Grund ist der Handel mit Werkzeugmaschinen schon immer eine sehr spezielle, kundenorientierte Branche. Gegenüber anderen volkseigenen Außenhandelsbetrieben musste der AHB WMW Export neue, andere Wege in der Organisation des Verkaufs gehen. Das heißt, der produzierende Betrieb wurde unmittelbar in die Handelstätigkeit mit einbezogen, d.h. schon bei der Entwicklung und Erprobung neuer Maschinen spielten Belange des Außenhandels eine große Rolle.

Direkte Kontakte zwischen dem Anwender / Käufer der Maschine und dem Herstellerbetrieb waren eine wichtige Voraussetzung für den Verkauf und konnten jedoch nur im Zusammenwirken mit dem AHB WMW hergestellt werden.

Die gesamte Verkaufstätigkeit im Ausland, angefangen von der Werbung (Kataloge, Messen usw.) bis zur Abwicklung der Lieferung und zur Gewährung des Kunden- und Ersatzteildienstes wurde unter Federführung und Verantwortung des AHB mit enger Beteiligung der Herstellerbetriebe durchgeführt.

In diesem Zusammenhang war der Aufbau von Kundendienststützpunkten und technisch-kommerziellen Büros in den wichtigsten Exportländern eine unerlässliche Voraussetzung für erfolgreichen Handel. 1965 gab es schon acht Kundendienststützpunkte bzw. TKB (technisch kommerzielle Büros) des AHB im Ausland, so z.B. in der CSSR, in Polen, der UdSSR, Ungarn, in Brasilien, Ägypten in der BRD und Jugoslawien. In diesen Büros oder KD-Stützpunkten waren neben Mitarbeitern des AHB WMW Export die Verkaufs- und Kundendienstingenieure und Monteure der Herstellerbetriebe über einen Zeitraum von mindestens vier Jahren tätig um die notwendigen Kontakte zu den Kunden im jeweiligen Land herzustellen und zu pflegen.

In den Ländern des SW (sozialistisches Wirtschaftsgebiet) erfolgten der Verkauf und die Lieferung von Werkzeugmaschinen auf der Grundlage der abgestimmten Jahrespläne in direkter Zusammenarbeit der zentralen Außenhandelsbetriebe.

In den Ländern des NSW (nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet) gab es in jedem für den Werkzeugmaschinenexport wichtigen Land eine oder mehrere private Vertreterfirmen, die mit dem AHB WMW zusammenarbeiteten und auf der Basis von Vertreterverträgen den Verkauf der Maschinen im jeweiligen Land gestalteten.

Eine wichtige Funktion im Verkauf von Werkzeugmaschinen hatten im Inland die Leipziger Frühjahrs- und Herbstmessen. Die komplette DDR-Werkzeugmaschinenindustrie präsentierte dort stets die neuesten Produkte und Entwicklungen. Außerdem fand auch zu diesen Messen immer ein reger Austausch zwischen den Endkunden und den Herstellerbetrieben statt.

Die Beteiligung von WMW Export an den wichtigsten Messen und Ausstellungen für Werkzeugmaschinen im Ausland, vor allem im NSW, wurde auch ständig von den Fachleuten der Herstellerbetriebe zum direkten Vergleich mit der Konkurrenz genutzt.

Neben dem Export stellte natürlich der Import von Werkzeugmaschinen für den Bedarf der DDR-Industrie eine wichtige Aufgabe des AHB dar. In einem eigens geschaffenen Direktionsbereich "Import" wurden die Anträge auf Importe für Werkzeugmaschinen aus der gesamten Industrie, nach den straffen Vorgaben des Ministeriums für Außenhandel (MAH), bearbeitet und realisiert.

Die Bildung von Industriekombinaten in der DDR Ende der 1960er Jahre sollte durch Verbesserung der Produktionsorganisation und Konzentration auf Schwerpunkte die Produktion effektiver gestalten und die Stagnation des Handels vor allem mit dem NSW überwinden.

Im Werkzeugmaschinenbau entstanden deshalb vier Kombinate:

VEB Werkzeugmaschinenkombinat "Fritz Heckert" Karl-Marx-Stadt
Problemlösungen und Produktion von Werkzeugmaschinen für die Bearbeitung von prismatischen oder gehäuseförmigen Teilen

VEB Werkzeugmaschinenkombinat "7.Oktober" Berlin
Problemlösungen und Produktion von Werkzeugmaschinen für die Bearbeitung rotationssymetrischer Teile

VEB Werkzeugmaschinenkombinat "Umformtechnik" Erfurt
Problemlösungen und Produktion von Werkzeugmaschinen für die Blech- und Massivfertigung

VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden
Produktion von Werkzeugen, Werkzeug- und Werkstückspannern sowie Werkzeuginstandhaltungsmaschinen

Das Warenzeichen änderte sich in der oben dargestellten Weise, d.h. der Name des Herstellerkombinates war Warenzeichenbestandteil und somit in allen Werbe- und Verkaufsunterlagen sowie Dokumentationen enthalten.

Im Jahr 1989 waren in diesen Kombinatsbetrieben ca. 80.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Den Kombinaten wurde eine gewisse Steuerung und Koordinierung des Außenhandels eingeräumt. Im AHB WMW Export erfolgte eine entsprechende Umorganisation und Umstrukturierung. Es wurden Verkaufskontore gebildet, die den vier Kombinaten entsprachen, die jeweiligen Verkaufsdirektoren der Kombinate wurden in die Leitung der Verkaufskontore einbezogen und die Generaldirektoren der Kombinate haben eine wesentliche Mitbestimmung in der Leitung des AHB WMW Export. Aber selbst bei diesen Neuerungen wurde weiterhin der Außenhandel mit Werkzeugmaschinen durch das Ministerium für Außenhandel kontrolliert und reglementiert. Das Ziel, durch diese Strukturmaßnahmen schnell Marktpositionen zu gewinnen und vor allem den Export in das NSW überdurchschnittlich zu steigern, wurde jedoch nicht erreicht.

Ein Ergebnis der Kombinatsbildung war auch eine wesentliche Erweiterung der äußeren Absatz- und Bezugsorganisation (äABO) von WMW Export.

Begründet durch die breite internationale staatliche Anerkennung der DDR Anfang der 1970er Jahre konnten in über 25 Ländern TKB bzw. eigene Verkaufs- und Servicegesellschaften gegründet werden.

In dieser WMW-eigenen Verkaufsorganisation waren ständig weit über 250 Verkaufsingenieure und Spezialisten sowie über 200 Servicemonteure und NC-Techniker tätig, die aus den jeweiligen Herstellerwerken für mehrere Jahre delegiert wurden. Damit war gesichert, dass im Zusammenwirken mit den Verkaufs- und Kundendienstabteilungen der einzelnen Kombinatsbetriebe der Käufer im jeweiligen Land schnell den richtigen Kontakt findet und die nötige Unterstützung bei der Lösung seiner Probleme erhält.

Eine Neuerung in der intensiven Marktbearbeitung im NSW stellten die Gründungen von nationalen Vertretergesellschaften mit 100%igen Kapitalanteil durch WMW dar. Die Geschäftsführer dieser Gesellschaften sind Außenhandelsfachkräfte aus der DDR, welche dem Bereich kommerzielle Koordinierung des Ministeriums für Außenhandel direkt unterstehen.

Durch WMW Export werden in der BRD, Frankreich, Österreich, Schweden, Belgien, Finnland, Italien, Griechenland, Spanien, England, Singapore und USA derartige Gesellschaften in den Jahren zwischen 1975 und 1985 gegründet. Der Verkauf und der Service wurden bis Anfang der 1990er Jahre ausschließlich über diese Gesellschaften im jeweiligen Land abgewickelt. Es ist selbstverständlich, dass neben einheimischen Fachkräften auch viele Fachleute für den Verkauf und Service aus den verschiedensten WMW-Kombinatsbetrieben in den Vertretergesellschaften tätig waren.

Struktur des Exports von Werkzeugmaschinen
Wie schon dargelegt, war mit der Gründung der DDR die Werkzeugmaschinenindustrie ein exportorientierter Wirtschaftssektor. Besonders der riesige Bedarf der Sowjetunion an Werkzeugmaschinen und Maschinensystemen führte in den Jahren 1970 bis 1985 zu Erweiterungsinvestitionen in den Kombinatsbetrieben und damit zu entsprechenden Produktionssteigerungen. Auch als Devisenbringer war der DDR-Werkzeugmaschinenbau von Bedeutung (Exportanteile 1985):

Noch in den Jahren 1970 bis 1975 lag der Exportanteil bei ca. 55% bei einer Gesamtproduktion von ca. 3,1 Mrd. DDR-Mark. Bis 1985 erhöht sich der Exportanteil vor allem durch den steigenden Anlagenexport.

Der Anteil des NSW-Exports war relativ gering und entsprach nicht den Aufwendungen. Die Ursachen waren sehr vielschichtig und liegen vor allem am Wirtschaftsystem der DDR und den durch die Politik des Kalten Krieges geschaffenen Realitäten. War noch bis 1972 der Export in das NSW relativ hoch, kam es trotz der staatlichen Anerkennung der DDR in den Folgejahren zu geringeren Exportanteilen. Dies war hauptsächlich auch durch den steigenden Einfluss der Elektronik auf die Werkzeugmaschinen (NC-Steuerung, PC-Steuerung, Maschinensysteme) begründet. Der Vorsprung der westlichen Industrieländer bei der Anwendung und Weiterentwicklung elektronischer Steuerungen und beim PC-Einsatz war gegenüber dem Stand der Technik in der DDR enorm.

Deshalb mussten ein Großteil der in das NSW exportierten Maschinen mit Steuerungen und elektrischen Bauteilen westlicher Herstellerfirmen ausgerüstet werden. Diese erforderlichen Bauelemente und Baugruppen mussten entweder durch WMW-Import bei führenden Herstellerbetrieben im NSW eingekauft werden, oder es wurden sogenannte Beistellungsimporte über die nationalen Vertretergesellschaften organisiert.

Die Abwicklung dieser Beistellungen war relativ kompliziert, da der Herstellerbetrieb diese immer über die zuständigen Außenhandelseinrichtungen realisieren musste. Außerdem war, bedingt durch den hohen Wertanteil der Elektronik am Gesamtpreis der Werkzeugmaschine, das Ziel einen hohen Devisenerlös durch eigene Wertschöpfung zu erreichen, in weite Ferne gerückt. Sowohl der Devisenerlös als auch die Größe des NSW- Exports von Werkzeugmaschinen entsprachen in den 1980er Jahren nicht den gestellten Planzielen bzw. den Erwartungen der staatlichen Stellen.

Der SW-Export konnte in der gleichen Zeit hohe Zuwachsraten erzielen. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass hier die relativ hohen Preise der Werkzeugmaschinen durch den gestiegenen Anteil der Elektronik aus DDR-Eigenproduktion von den Importländern akzeptiert werden mussten, da es im gesamten SW-Bereich sowohl keine ernstzunehmende Konkurrenz für DDR-Werkzeugmaschinen gab; wie auch die Importmöglichkeiten aus dem NSW für diese Länder ebenfalls sehr beschränkt waren.