Vereinskurier - Ausgabe 13 - April 2005

Dr. Wolfram Hoschke

Vorwort

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder des Fördervereins Industriemuseum Chemnitz e.V.

Wir können in diesen Tagen den fünfzehnten Jahrestag der Gründung unseres Fördervereins feiern. In unserer schnellebigen Zeit sind 15 Jahre nur ein Bruchteil im Verlauf evolutionärer Entwicklungen. Zugleich sind sie aber - zumindest seit 1989 - für die meisten von uns ein Lebensabschnitt, in dem sich ungeheuere Veränderungen vollzogen haben. Eine neue marktwirtschaftlich geprägte Staatsform, nahezu ungehemmt konkurrierende Parteien, zwei neue Währungen nacheinander und eine unbegrenzte Reisefreiheit sind markante Merkmale der neuen Zeit. Nur wenige haben noch ihren "alten" Arbeitsplatz inne. Nahezu alle haben sich an ein neues Umfeld - im Wohnbereich, im Freizeitbereich und insbesondere im Arbeitsbereich - gewöhnen müssen. Leider gelang es viel zu vielen - zumeist den Älteren - nicht, in der neuen Arbeitswelt wieder festen Fuß zu fassen. Die Folgen sind noch immer erschreckend. Hohe Arbeitslosenzahlen, hinter denen viele Schicksale stehen; das Pendeln vieler Arbeitnehmer in westliche Bundesländer oder gar der dauerhafte Umzug dorthin. Im krassen Widerspruch stehen dazu die zunehmenden Defizite bei der Besetzung spezialisierter Arbeitsplätze durch hochqualifizierte Fachkräfte.

Bei den halbjährlichen Umfragen der Industrie- und Handelskammer Südwestsachsen bei Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes - speziell in der Elektronik- und in der Metallbranche - verweisen mehr als 25 % auf Behinderungen durch Fachkräftemangel.

Dem steht wiederum gegenüber, dass Jugendliche, die vor einer Berufsausbildung stehen, oft kein Interesse am Erlernen eines technisch-orientierten Berufes haben oder dafür unzureichende schulische Leistungen nachweisen. Ein ähnlicher Trend ist bei Studienbewerbern zu verzeichnen. Nach Recherchen der Industrie- und Handelskammer in vier Gymnasien in Südwestsachsen beabsichtigen nur 13 % der Gymnasiasten eine technische Studienrichtung einzuschlagen.

Aus meiner Sicht werden Kindern und Jugendlichen zu wenige polytechnische Kenntnisse vermittelt, die der Ausgangspunkt für das Interesse zum Erlernen eines technischen Berufes oder das Studium einer technischen Fachrichtung sein können - rühmliche und überzeugende Ausnahmen werden alljährlich als Ergebnisse des Wettbewerbes "Jugend forscht" demonstriert!

An dieser Stelle sollten wir als Freunde und Förderer des Industriemuseums die uns gegebenen Möglichkeiten noch intensiver nutzen, um bei Jugendlichen das Interesse an Technik in ihrer Vielfalt zu wecken. Die berufliche Zukunft der Jugendlichen, aber auch die wirtschaftliche Zukunft unserer Region und Deutschlands insgesamt wird in entscheidendem Maße von der Beherrschung moderner technischer Grundlagenverfahren und Anwendungsmöglichkeiten abhängen.

Ich rufe Sie, liebe Mitglieder des Fördervereins Industriemuseum, auf, in dem Ihnen möglichen Maße der Jugend und damit zugleich uns allen zu helfen!
Dr. Wolfram Hoschke