Vereinskurier - Ausgabe 13 - April 2005

Prof. Dr. sc. techn. Armin Russig (Ehrenvorsitzender des FIM)/Prof. Dr. sc. phil. Hans Münch

Fünfzehn Jahre Förderverein Industriemuseum Chemnitz

Fünfzehn Jahre ist der Förderverein Industriemuseum Chemnitz e.V. aktiv, um die Leistungen der regionalen industriell-technischen Entwicklung aus zwei Jahrhunderten aufzuzeigen und zu würdigen. Exkursionen und Informationsveranstaltungen für Mitglieder und Gäste des Fördervereins vermittelten Wissen zur Technikgeschichte, zum Stand der Entwicklung der Technik und zu Trends auf vielen Gebieten der Maschinenbau-Industrie. So auch die Fahrten nach Manchester 2003, dem Mutterland der Industriellen Revolution und nach Mulhouse im Herbst 2004. Dort wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts "Mustersammlungen" eingerichtet, die sich zu Museen entwickelten. Eine gedankliche Verbindung Mulhouse - Chemnitz erinnert an das Bestreben aktiver Unternehmer von 1827/29, ein Gewerbemuseum in Chemnitz zu gründen. Insofern steht der Förderverein in einer über 175jährigen historischen Tradition.

Bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert war die Kompetenz der Stadt Chemnitz als Metropole des Maschinenbaus in Deutschland unbestritten. Repräsentanten der Industrie, wie z.B. Haubold, Pfauter, Hartmann, Zimmermann, Reinecker, Wanderer und weitere, waren weltbekannt. Einige dieser Unternehmen überdauerten die Wirren der Zeit, wenn auch Namen und Besitzer wiederholt einem Wechsel unterlagen.

Trotz vielfältiger Bemühungen war es bis zum Ende des 20. Jahrhunderts nicht gelungen, die Leistungen der Menschen in den Fabriken, Instituten, Hoch- und Fachschulen dieser Region in anschaulicher und "begreifbarer" Form darzustellen. Große Teile der Industriekultur drohten in den 1990er Jahren unterzugehen, in Containern oder unter Schweißbrennern zu verschwinden.

Aktive und der Tradition verbundene Menschen fanden sich zu Beginn des Jahres 1990 zusammen und gründeten den Förderverein Industriemuseum Chemnitz e.V. mit dem Ziel, ein Industriemuseum aufzubauen.

"Die Zeit heilt Wunden", offensichtlich gilt das auch für das Geschehen in der Industriestadt Chemnitz. Nach den problematischen strukturellen Einschnitten und schmerzhaften Erfahrungen im Gefolge der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Deutschland und Europa gewinnt der Maschinenbau in der Region wieder an Gewicht - und das auf den Feldern von Forschung, Entwicklung, Produktion und Handel.

Viele Anstrengungen zum Aufbau eines technikorientierten Museums in den 1970/80er Jahren seitens der Industrie und der Wissenschaft versandeten im Geflecht der Dienststellen von Stadt und Staat.

Für den 15. Februar 1990 rief Magnifizenz Prof. Dr. Friedmar Erfurth einen Kreis von mehr als 30 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zu einer Beratung in der TU Karl-Marx-Stadt zusammen. Im Ergebnis dieses Treffens wurde die Gründung eines Fördervereins angeregt und die Gründungsversammlung für den 4. Mai einberufen. Dort wurden zum Vorsitzenden Prof. Dr. sc. techn Armin Russig, als stellvertretende Vorsitzende Dr. Klaus Müller und Paul Plesken, als Geschäftsführer Dr. sc. phil. Reinhard Feige, als Schriftführer Dr. Dagmar Szöllösi und als Schatzmeister Dr. Horst Wölk einstimmig gewählt.

Mit der Eintragung ins Vereinregister beim Kreisgericht Mitte-Nord Chemnitz als "Vereinigung Industriemuseum Chemnitz" am 12. Juni 1990, assistiert durch Dozent Dr. Reinhard Feige, Dr. Klaus Müller und Dr. Dagmar Szöllösi wurde der Förderverein Industriemuseum Chemnitz e.V. mit Sitz in der TU Chemnitz juristisch gegründet.

Orts- und Funktionswechsel bedingten bald personelle Veränderungen: Prof. Dr. sc. phil. Hans Münch wurde im Oktober 1990 Schatzmeister und Dr.-Ing. Siegfried Zugehör im März 1991 stellvertretender Vorsitzender.

Der Förderverein Industriemuseum Chemnitz hat im Sinne seiner Aufgabe beständig daran gearbeitet, die Bewahrung des industriellen und technikhistorischen Erbes und Wirkens im Ballungsgebiet um die sächsische Industriemetropole Chemnitz zu erkunden, darzustellen und im Bewusstsein der Bürger aller Altersgruppen aufrecht zu erhalten. Gilt doch Chemnitz als eine Wiege der industriellen Revolution in Deutschland, als eine Stadt traditionsreicher technischer Bildung.

Mit dem festen Ziel, ein der Stadt würdiges Museum zu schaffen und im beständigen Ringen um das Bereitstellen von Ausstellungs- und Depotflächen, Mitteln und Arbeitskräften, konnte der Förderverein den Start des Industriemuseums zunächst an der Annaberger Straße 114 einleiten. Die Mitgliederzahl des Fördervereins ist langsam, aber beständig, gewachsen, Sachzeugen wurden gesammelt, fachspezifische Arbeitsgruppen gebildet, ABM-Gruppen für den Aufbau und das Restaurieren der Maschinen dank der Unterstützung des Arbeitsamtes installiert.

Nach einer Reihe von Interventionen mit Schriftwechsel und Diskussionen seitens des Fördervereins mit verschiedenen Stellen und Personen der Stadtverwaltung beschlossen die Stadträte von Chemnitz am 18. August 1991 die Gründung eines Industriemuseums Chemnitz als kommunale kulturelle Einrichtung.

Seit Mitte des Jahres 2000 vollzog sich der Aufbau des neuen Industriemuseums Chemnitz an der Zwickauer Straße 119. Die verbliebenen Gebäude der ehemaligen "Harlaß-Gießerei" bieten von der Industriearchitektur her einen würdigen und historischen Rahmen.

Wir erinnern uns:
Der Förderverein erreichte 1992 die Bereitstellung von Depotflächen durch die Niles Drehmaschinen GmbH und dazu eine vertragliche Bindung zwischen Niles und der Stadt Chemnitz.

Mehrfach war ein Umzug der Geschäftsstelle erforderlich, so im September 1992 zur Fa. Wuppesahl am Körnerplatz, im Oktober 1996 zur Immobiliengesellschaft Kiremun GmbH (Bornaer Straße 205) und im April 2004 ins Industriemuseum Chemnitz, Zwickauer Straße.

Mit der Absicht, Anliegen und Ziele des Fördervereins einer breiten Öffentlichkeit zu offerieren, lud der Vorstand am 14. November 1990 zu einem Pressegespräch ein, an dem Vertreter mehrerer Publikationsorgane und Medien teilnahmen. Im Ergebnis dieses Pressegesprächs boten viele Chemnitzer Betriebe dem Förderverein Sachzeugen für die Sammlung des zukünftigen Industriemuseums an.

Bis März 1991 erhielt der Förderverein Angebote von über 150 Sachzeugen, darunter tonnenschwere Maschinen. Um diese Sachzeugen vor dem Verschrotten zu bewahren, mussten sie umgehend aus den Betrieben abtransportiert und eingelagert werden. Ende Mai 1991 stellte die "Wismut" dem Verein einen LKW vom Typ W 50 mit festinstalliertem Kran zur Verfügung der auf Kosten des Fördervereins betrieben wurde; später übernahm die Stadt Fahrzeug und Kosten.

Ein "Sachzeuge" besonderer Art war und ist die Schauweberei Tannenhauer in Braunsdorf. Zunächst konnten dort ebenfalls geborgene Maschinen und Werkzeuge deponiert werden. Zur weiteren Nutzung der Schauweberei verhandelte der Förderverein mit der Denkmalschutzbehörde des Landkreises Freiberg und der Leitung des Industriemuseums Chemnitz. Die bei Tannenhauer vorhandenen Jacquard-Webstühle, die vordem Möbelbezugsstoffe webten, wurden dem Förderverein übereignet und später in das Eigentum des Industriemuseums überführt.

Um die laufenden finanziellen und personellen Probleme besser bewältigen zu können, bestätigte die Stadtverwaltung die Einrichtung eines Aufbaustabs für das Industriemuseum, bestehend aus ABM-Mitarbeitern; die Leitung wurde Dr. Klaus Müller übertragen.

Im Juni 1993 schied Dr. Klaus Müller aus dem Aufbaustab des Museums aus und Dr. Wolfgang Uhlmann übernahm die kommissarische Leitung bis zur Berufung des Museumsdirektors Dr. Jörg Feldkamp am 26. Januar 1995. Als ausgezeichneter Kenner der Stadt und ihrer Entwicklung übernahm Dr. Uhlmann auch die Leitung der Arbeitsgruppe Regional- und Firmengeschichte. Weiterhin waren 1997 folgende Arbeitsgruppen und ihre Leiter aktiv: AGr Textilmaschinen (Leitung: Dipl.-lng. Fritz Pützschler), Werkzeugmaschinen (Leitung: Dipl.-lng. Günter Rudroph), Automatisierungstechnik (Leitung: Dr.-Ing. Siegfried Zugehör) und Vereinsleben (Leitung: Dr.-Ing. Günter Schmidt). Später erfolgte die Gründung der Arbeitsgruppen Regional- und Firmengeschichte (Leitung: Prof. Dr. Hans Münch), Kraftfahrzeugtechnik (Leitung: Dipl.-lng. Eberhard Kreßner) und Gießerei (Leitung: Dipl.-lng. Joachim Heppe).

1994 erfolgte die Auflösung der "Kammer der Technik". Vorsitzender der Ortssektion Chemnitz der KdT war Dr.-Ing. Günter Schmidt. Um sich wieder zu organisieren, suchten ehemalige Chemnitzer Mitglieder der KdT nach anderen Möglichkeiten. Dr. Günter Schmidt und Dr. Heinz Dieter Uhlig berieten mit dem Vorstand des Fördervereins über die Aufnahme von KdT-Mitgliedern. Eine spezielle Zusammenkunft der vormaligen KdT-Ortssektion besuchten Prof. Russig und Prof. Münch mit dem Ziel, den Förderverein vorzustellen. Dr. Schmidt und Dr. Uhlig ergriffen die Initiative und bewirkten den Eintritt von etwa 25 ehemaligen KdT-Mitgliedern in den Förderverein. Dr. Schmidt wurde als Vertreter der neuen Mitglieder in den Vorstand des Fördervereins kooptiert. Durch den Eintritt dieser Personen erfuhren die Aktivitäten des Fördervereins eine deutliche Belebung.

Eine Reihe von Sonderaufgaben wurde dem Förderverein übertragen:

  • So beispielsweise lud der Vorstand erstmals zum "Tag der offenen Tür" am 25. September 1994 in das Niles-Depot ein, um die Mitglieder mit diesem Depot und der Sammlung Numerik bekanntzumachen.
  • Als Hilfe für die ABM-Beschäftigten wurden die Arbeiten zur Ausführung der Aktion 55 übernommen.
  • Der Förderverein organisierte und führte den "Tag des offenen Denkmals" am 10. September 1995 in der Harlaß-Gießerei Zwickauer Straße durch. Unterstützung erfuhr die Aktion vom Kulturamt der Stadt, besonders durch Frau Claudia Wasner. Vorträge, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Ausstellung historischer Maschinen in der denkmalgeschützten Holzhalle des vormaligen Schleifmaschinenwerkes und ein Konzert in der Nikolaikirche bildeten den festlichen Rahmen.
  • Erneut zeichnete der Förderverein im Auftrag des Kulturamtes der Stadt Chemnitz für die Durchführung des "Tag des offenen Denkmals" am 14.September 1997 im ehemaligen "Wandererwerk" bzw. "Industriewerk" an der Zwickauer Straße verantwortlich. Die aufwendigen Vorbereitungen wurden dank Dipl.-Ing. Wolfgang Kunze, drei ABM-Kräften und den von der TLG bereitgestellten 10.000 DM bewältigt.


Im Sommer 1998 erfolgte die Gründung des Zweckverbandes "Sächsisches Industriemuseum", in dem neben dem Industriemuseum Chemnitz das Museum Zinngrube Ehrenfriedersdorf, das Lausitzer Bergbaumuseum Knappenrode sowie das Westsächsische Textilmuseum Crimmitschau und das Museum Kalkwerk Lengefeld integriert sind. Als Rechtsperson konstituierte sich der Zweckverband im Oktober 1998; die Geschäftsführung wurde Dr. Jörg Feldkamp, dem Direktor des Industriemuseums Chemnitz, übertragen. Die Geschäftsstelle des Zweckverbandes befindet sich im Industriemuseum Chemnitz.

Dr. Reinhard Feige schied am 30.Januar 1999 als Geschäftsführer aus dem Vorstand aus und Dipl.-Ing. Wolfgang Kunze wurde als neuer Geschäftsführer in den Vorstand gewählt.

Ein Bildarchiv wurde 2001 angekauft und dem Industriemuseum zur Nutzung übergeben. In dem Bestand befinden sich über 550 Bilder und wertvolle Unterlagen zur Geschichte des sächsischen Werkzeug- und Textilmaschinenbaus.

Besondere Aufmerksamkeit des Vorstandes galt der aktiven Unterstützung des Industriemuseums zu Fach- und Sachproblemen, der permanenten Kontaktpflege zu Unternehmen und Personen die als effektive oder potentielle Spender infrage kommen, dem Einwerben von Spenden, der Bearbeitung der Finanzbewegungen mit ca. 200 Buchungen pro Jahr, der Organisation der Öffentlichkeitsarbeit, der Zusammenarbeit mit den Banken und Behörden der Stadt und der Veröffentlichungen von Beiträgen durch Mitglieder des FIM im Vereinskurier sowie in Zeitungen, Periodika und Büchern.

Im Interesse einer guten Information aller Mitglieder und potentiellen Förderer gibt der Vorstand - auf Initiative von Dipl.-lng. Günter Zachäus (†) - seit 2001 jährlich drei Vereinskuriere, heraus.

Ein Überblick zu den jüngeren Arbeiten des Fördervereins und Ereignissen zeigt:

Die feierliche Eröffnung des IMC am erfolgte 11. April 2003 nach dem Umzug aller Exponate von der Annaberger Straße zum Standort Zwickauer Straße 119. Grußworte an die Festversammlung richteten Herr Oberbürgermeister Dr. Seifert, Herr Staatsminister Rösler, Herr Heuß "Volkswagen-International", und der Vorsitzende des Zweckverbandes Sächsische Industriemuseen, Herr Brähmig (Oberbürgermeister von Hoyerswerda).

Zu den "Tagen des Ehrenamtes" wurden durch die Stadt Chemnitz ausgezeichnet:

  • Walter Grünthal für das funktionsfähige Einrichten einer Kegelrad-Hobelmaschine,
  • Jürgen Held für die Sicherung der Funktion des flexiblen Fertigungssystems FMS 630,
  • Annemarie Eschholz für die Vorführung textiler Technik und
  • Günter Wolfgruber für Inbetriebnahme und Wartung der Dampfmaschine.


Freiwillig übernahmen Mitglieder das Restaurieren und den Vorführbetrieb ausgewählter Maschinen der Textil- und der Werkzeugmaschinentechnik, Sonderführungen zur Museumseröffnung und zur jährlich stattfindenden Museumsnacht der Stadt Chemnitz.

Der Erwähnung bedarf die Leistung der Arbeitsgruppe Vereinsleben, insbesondere ihres Leiters Dr. Günter Schmidt. Durch die vielen Veranstaltungen erfährt die Gemeinschaft der Mitglieder eine besondere Förderung. Zu den durchgeführten Aktivitäten liegen Berichte in Wort und Bild vor; sie sind Beiträge zum industriellen Geschehen in der Region, dafür besten Dank.

Der Förderverein hatte per Ende Januar 2005 eine Mitgliederanzahl von 160 Personen und Unternehmen.

Besondere Aufmerksamkeit erfuhren Festtage von Personen und Unternehmen, so auch das Firmenjubiläum 120 Jahre Schubert & Salzer, der 220. Geburtstag von Carl Gottlieb Haubold, dem "Vater des sächsischen Maschinenbaus" und der 125.Todestag von Richard Hartmann.

Nach langjähriger aktiver Tätigkeit übermittelten Prof. Russig als Vorsitzender und Prof. Münch als Schatzmeister dem Vorstand die Bitte um Entlastung von ihren Ämtern. Im Verlaufe der Jahreshauptversammlung am 5. Februar 2004 erfolgte die Wahl von Dr. Wolfram Hoschke zum Vorsitzenden und Frau Hildegard Stölzel als neue Schatzmeisterin. Weiterhin erfolgte die Wahl von Dipl.-Ing. Ulrich Sacher zum Schriftführer, Prof. Russig zum Ehrenvorsitzenden; Prof. Münch leitet weiterhin die Arbeitsgruppe Regional- und Firmengeschichte.

An dieser Stelle sei nochmals allen Mitgliedern und Förderern für ihre Unterstützung des Fördervereins Industriemuseum Chemnitz e.V. herzlich gedankt. Auch die kommende Zeit stellt an uns neue Anforderungen, denen wir uns stellen werden. Dabei sind wir uns Ihrer Treue und Mitwirkung bewusst.