Vereinskurier - Ausgabe 13 - April 2005

Ulrich Sacher

Ehrenamtliche Mitarbeiter im Industriemuseum Chemnitz: Frau Christa Groß

Durchschnittlich 28% der Deutschen in den östlichen Bundesländern engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich, viel weniger als im Westen. Dort war allerdings die freiwillige Bindung an Wohlfahrtsverbände und Kirchen immer stärker. Im Osten jedoch fand das Engagement zu DDR-Zeiten häufig verordnet und in staatsnahen Organisationen statt. Ein Grund für diese niedrige Beteiligung könnte auch die höhere Arbeitslosigkeit sein. Wer arbeitslos ist, sieht nicht unbedingt ein, wieso er etwas für die Gemeinschaft tun soll - und dazu noch unbezahlt. Und wer noch Arbeit hat, dem fehlen oft die Zeit und Motivation sich ehrenamtlich zu engagieren. Ohne ehrenamtliche Mitarbeiter aber wäre die Kulturlandschaft in Sachsen - wo 16% aller Ehrenamtler sich dafür engagieren - wesentlich ärmer. Zum Glück gibt es dafür im Industriemuseum und dessen Förderverein gute Beweise: Frau Christa Groß aus der AGr Textiltechnik.

Die Bekanntschaft mit dem Industriemuseum begann für Frau Groß im Herbst 1998 mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Als gelernte Nähmaschinen-Mechanikerin, restaurierte sie Näh- und Stickmaschinen. Als im September des Jahres 1999 diese Maßnahme endete, wollte der Leiter der AGr Textiltechnik, Herr Claus Beier, gern diese Arbeiten fortsetzen und sprach mit ihr hinsichtlich einer weiteren ehrenamtlichen Mitarbeit im Rahmen der Arbeitsgruppe. Frau Groß sagte spontan zu und brachte noch ihren Ehepartner mit. Seit dieser Zeit arbeiten Christa und Leopold Groß einen Tag pro Woche ehrenamtlich an der Restaurierung von Näh- und Stickmaschinen. Dank ihrer engagierten Arbeit ist der größte Teil des Nähmaschinenbestandes aufgearbeitet und instandgesetzt. Darüber hinaus erfolgte durch sie die Neuordnung des Näh- und Stickmaschinenbestandes einschließlich einer sinnvollen Unterbringung im Depot. Bei der Exponatauswahl für den Ausstellungsteil "Textilstraße" konnte man sich ohne größere Überlegungen auf ihre Vorschläge stützen. Nach gemeinsam erfolgter Exponatauswahl übernahmen sie auch die Restaurierung der Maschinen und richteten sie für den Vorführbetrieb ein.

Zur Eröffnung auch "ihrer" "Textilstraße" am 18. März 2005 präsentierte Frau Groß den Besuchern mit Engagement und großer Sachkenntnis die Ausstellungsexponate an Näh- und Stickmaschinen. Der aufmerksame Zuhörer konnte dabei viel Wissenswertes über die Geschichte einer Nähmaschine und die richtige Anwendung der unterschiedlichen Nähmaschinentypen erfahren. Der Leiter des Industriemuseums Chemnitz, Herr Dr. Jörg Feldkamp, der Vorsitzende des Fördervereins, Herr Dr. Wolfram Hoschke und der Vorsitzende der AGr Textiltechnik, Herr Claus Beier bedanken sich an dieser Stelle bei Frau Christa Groß und ihrem Ehemann Leopold für die geleistete ehrenamtliche Arbeit und wünschen sich und uns weiterhin, dass zukünftig die Statistik der ehrenamtlichen Mitarbeiter in unserem Museum - noch wesentlich erweitert wird.

Wie oben bereits gesagt, ohne ehrenamtliche Mitarbeiter wäre die Kulturlandschaft in Sachsen wesentlich ärmer.