Vereinskurier - Ausgabe 13 - April 2005

Peter Stölzel

Der Handel mit Werkzeugmaschinen und das Außenhandelsmonopol in der DDR (Teil 1)

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs, im Mai 1945, waren fast alle Produktionsstätten in Deutschland entweder völlig oder zum großen Teil zerstört. Durch die Lahmlegung des Transport- und Verkehrssystems, durch das Fehlen von Rohstoff- und Lebensmittelvorräten war der gesamte Reproduktionsprozess ernsthaft gestört. In den ersten Monaten nach Kriegsende hatten die Sicherung der Versorgung der Bevölkerung und die Beräumung der Trümmerberge absoluten Vorrang.

Im Potsdamer Abkommen vom August 1945 wurde durch die vier Besatzungsmächte u.a. festgelegt:

  • "Während der Besatzungszeit ist Deutschland als eine wirtschaftliche Einheit zu betrachten. Mit diesem Ziel sind gemeinsame Richtlinien aufzustellen hinsichtlich:
    ... d) des Import- und Exportprogramms für Deutschland als Ganzes" (s. Absatz 14) bzw.

  • "Es ist eine alliierte Kontrolle über das deutsche Wirtschaftsleben zu errichten, jedoch nur in den Grenzen die notwendig sind:
      ... d) zur Überwachung der deutschen Industrie und aller wirtschaftlichen und finanziellen internationalen Abkommen einschl. der Ein- und Ausfuhr, mit dem Ziel der Unterbindung einer Entwicklung des Kriegspotentials Deutschlands und der Erreichung der anderen genannten Aufgaben" (s. Absatz 15)


Insgesamt kann man feststellen, dass zu dieser Zeit noch der gemeinsame Wille der Alliierten bestand, eine einheitliche Planung und Kontrolle des Außenhandels für ganz Deutschland zu realisieren. Mit Proklamation des alliierten Kontrollrates vom 20.09.45 wurde die gesamte deutsche Außenhandelstätigkeit unter die Kontrolle der Besatzungsmächte gestellt.

Wie bekannt, sind die Festlegungen im Potsdamer Abkommen hinsichtlich der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands nicht eingehalten worden. In der Zeit bis 1949 wurde in der sowjetischen Besatzungszone der gesamte Außenhandel durch die SMAD und die von ihr geschaffenen Organe kontrolliert.

Der Außenhandel mit Produktionsmitteln

Schon kurz nach Kriegsende setzte in unzähligen zerstörten Betrieben die Beräumung der Trümmer und die Wiederaufbau-Arbeit ein. Erste Produktionen werden wieder aufgenommen, trotz Reparationsleistungen an die Sowjetunion. Im Interesse, möglichst schnell einen Staat nach sowjetischem Vorbild auf deutschem Boden zu schaffen, wurde 1946 in Sachsen der "Volksentscheid" zur Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher organisiert und deren Besitz in der gesamten SBZ in "Volkseigentum" umgewandelt. Dieses sog. Volkseigentum wurde von zentralen Stellen, die unter sowjetisch/deutscher Leitung standen, bis zur Gründung der DDR 1949 verwaltet.

Die Deutsche Wirtschaftskommission (DWK) als eine zentrale Verwaltung, hatte als eine wichtige Säule die Hauptverwaltung Außen- und Interzonenhandel aufgebaut. Damit wurden bis 1949 alle Ex- und Importe - einschließlich des Handels zwischen den Besatzungszonen Deutschlands - gesteuert und überwacht.

Als erstes zentrales Außenhandelsunternehmen wurde der "Deutsche Innen- und Außenhandel Maschinen" tätig und war bereits 1948 auf der Leipziger Frühjahrsmesse vertreten.

Mit Gründung der DDR wurden aus der Hauptverwaltung "Außen- und Interzonenhandel" das Ministerium für "Außen- und innerdeutschen Handel" und wenig später die zentralen volkseigenen Außenhandelsbetriebe der DDR gebildet.

Das volkseigene Außenhandelsunternehmen "WMW Export", zuständig für den Bereich Werkzeugmaschinen und Werkzeuge, wurde als "WMW Export Werkzeugmaschinen Metallwaren Werkzeuge Deutscher Innen- und Außenhandel" in Berlin 1950 gegründet.

Das Außenhandelsmonopol

Das Außenhandelsmonopol der sozialistischen/kommunistischen Staaten geht auf eine Theorie Lenins aus dem Jahr 1918 zurück, wo nach Gründung der Sowjetunion sofort der gesamte Außen- und Innenhandel nationalisiert wurde, d. h. volle staatliche Kontrolle der gesamten Handelstätigkeit.

Theoretisch wurde das mit der Umgestaltung der Eigentumsform an den Produktionsmitteln vom privaten in sozialistisches Eigentum (Volkseigentum) begründet.

Auch in der Sowjetischen Besatzungszone/DDR sowie in allen anderen sozialistischen Ländern Europas erfolgte seit 1945 der Prozess der Enteignung von Privateigentum an Produktionsmitteln und die Überführung in sozialistisches Eigentum und somit der ständige Ausbau des volkseigenen Sektors in Industrie und Handel. Das heißt, das gesamte Wirtschaftsleben wurde nach sowjetischem Vorbild Schritt für Schritt unter die Kontrolle des Staates und seiner Organe gestellt.

Diese Aufgabe wurde vom Außenhandelsbetrieb WMW Export wahrgenommen.

Werkzeugmaschinenproduktion

Auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone bestanden trotz großer Zerstörungen durch die Kriegseinwirkungen noch Reste ehemals großer Fabriken zur Herstellung von Werkzeugmaschinen und Werkzeugen. (z.B. Wanderer Fräsmaschinen, Niles, Pfauter, Pittler, Hille, Union, Billeter u.a).

Fast alle Werkzeugmaschinenwerke mussten neben den Zerstörungen noch die Demontage ihrer verbliebenen Betriebseinrichtungen verkraften. Die Demontagen wurden 1949 beendet; in Westdeutschland jedoch leiteten schon 1948/49 die Währungsunion und die Marshall-Plan-Hilfe den wirtschaftlichen Aufschwung ein.

Alle Anstrengungen in der sowjetischen Besatzungszone waren darauf gerichtet, so schnell als möglich die vorhandenen Produktionskapazitäten wiederherzustellen. Da auch die Sowjetunion einen riesigen Bedarf an Werkzeugmaschinen hatte, war das Interesse der Besatzungsmacht am Wiederaufbau und an der Organisierung der Produktion von Werkzeugmaschinen vorhanden. Die Produktion von Werkzeugmaschinen wurde zunächst auf Basis vorhandener und zunehmend mit weiterentwickelten und neuen Konstruktionen in Gang gesetzt.

Im ersten Fünfjahrplan der DDR von 1950 bis 1955 - und bereits vorher im Zweijahrplan - war als Ziel der beschleunigte Aufbau der Schwerindustrie enthalten. Damit stand in enger Verbindung der Ausbau der Werkzeugmaschinenindustrie als Produktionsmittelbasis für die Schwerindustrie.

Schon 1948 gewährleistete man mit der Gründung der "Vereinigung volkseigener Betriebe des Werkzeugmaschinenbaus" (VVB WMW), Sitz in Siegmar-Schönau (im Betriebsgelände des Büromaschinenwerk Wanderer-Continental, VEB), eine volle staatliche Lenkung, Leitung und Planung des Werkzeugmaschinenbaus der DDR.

Das Warenzeichen WMW wird 1950 registriert und damit in vielen Ländern als Zeichen für Werkzeugmaschinen und Werkzeuge aus der DDR geschützt.

Das Produktionsprogramm der VVB WMW umfasst 1951 neben Werkzeugen die folgenden Maschinenarten:

  • Langhobelmaschinen in Ein- und Zweiständerausführung
  • Senkrechtstoßmaschinen, Räummaschinen, Nutenziehmaschinen
  • Fräsmaschinen, Gewindefräsmaschinen, Bettfräsmaschinen, Kopierfräsmaschinen
  • Zahnradwälzfräsmaschinen, Zahnradstoßmaschinen
  • Drehmaschinen, Plandrehmaschinen, Karusselldrehmaschinen, Revolverdrehmaschinen
  • Walzendrehmaschinen, Mehrspindelautomaten
  • Rundschleifmaschinen, Flachschleifmaschinen, spitzenlose Schleifmaschinen, Zahnflankenschleifmaschinen, Werkzeugschleifmaschinen
  • Bohrmaschinen, Waagerecht-Bohr- und Fräswerke, Lehrenbohrmaschinen, Honmaschinen
  • Exzenterpressen, Abkantpressen, Blechtafelscheren, Reibspindelpressen, Streckmetallpressen
  • Hydraulische Pressen, Spritzgußautomaten

Der gewaltige Bedarf der Sowjetunion an allen Arten von Werkzeugmaschinen führte schon in den Jahren ab 1950 zu beträchtlichen Steigerungen der Produktion. Die Bruttoproduktion der VVB WMW wird 1952 mit 90 Mio. DM (DDR) angegeben, 1970 sind das schon 1,2 Mrd. M (DDR).

Dazu ein Hinweis: Eine Umrechnung von M (DDR) in € ist nicht möglich. Noch größere Ungenauigkeiten würden sich ergeben, wenn Valutamark (Planungsgröße der DDR im Außenhandel) in € umgerechnet würden. Deshalb wird im Folgenden auf Umrechnungen verzichtet.

Das Diagramm zeigt die Steigerungsraten beim Export der 50er Jahre (in Mio. Valutamark):

Der Anteil des Exports in die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Länder umfasste ca. 70 - 80 % des Gesamtexports.

Schon beizeiten prägten sich Begriffe wie SW-Export für Lieferungen in das sozialistische Wirtschaftsgebiet (RGW = COMECON) und NSW-Export für Lieferungen in das sogenannte nicht-sozialistische Wirtschaftsgebiet (einschl. der BRD) bei allen Beschäftigten der Exportbetriebe ein.

Der Anteil des Exports an der Gesamtproduktion von Werkzeugmaschinen war immer relativ hoch. Angaben der Jahre 1960 bis 1970 belegen einen Exportanteil von ca. 55%, bis 1989 wächst dieser Anteil auf ca. 70%. Daraus kann man natürlich folgern, dass der Werkzeugmaschinenbau der DDR nicht umfassend den Bedarf der DDR-Betriebe decken konnte, was zu den bekannten Mangelerscheinungen führte und wiederum den Import teilweise minderwertiger Maschinen aus anderen sozialistischen Ländern notwendig machte.

(Artikel wird im Vereinskurier 14 fortgesetzt)