Vereinskurier - Ausgabe 11 - August 2004

Prof. Dr. Dr. Friedrich Naumann

Einladung zum Symposium "Informatik in der DDR - eine Bilanz" vom 7.-9. Oktober 2004 an der Technischen Universität Chemnitz

Sehr herzlich darf ich Sie zum Symposium "Informatik in der DDR - eine Bilanz" an die TU Chemnitz einladen. Der Tagungsort ist vor allem deshalb gewählt worden, weil unsere Stadt über einen langen Zeitraum ein wichtiger Nucleus in Sachen Rechenmaschinenbau und Computertechnik war.

Zu den ersten Sachsen gehörte Arthur Burkhardt, der 1878 in Glashütte mit der serienmäßigen Produktion von mechanischen Rechenmaschinen begann, wenige Zeit später folgten Dresden, Chemnitz und Leipzig. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges vermochte man - trotz großer Schäden und reparationsbedingter Demontagen - an die reichen Traditionen anzuknüpfen und begann, wieder zu produzieren. Bald schon machten die Chemnitzer Astra-Werke, später unter ASCOTA und Buchungsmaschinenwerke bzw. ROBOTRON firmierend, wieder von sich reden und erlangten vor allem als Produzenten von Buchungsmaschinen (Klasse 170) internationale Wertschätzung.

In Dresden war es N. J. Lehmann, der durch erste Arbeiten zur digitalen, elektronischen Rechentechnik auf sich aufmerksam machte und mit den Modellen D1, D2 und D4a Voraussetzungen für die industrielle Produktion von Kleinrechnern schuf. 1957 schließlich gründete man den VEB ELREMA Karl-Marx-Stadt und schuf damit eine Basis für leistungsfähigere Rechentechnik. Die Maschinen R 12, R 100, R 300, schließlich die Einbindung in das ESER und die Eingliederung in das Kombinat ROBOTRON, erbrachten jenen entscheidenden Schub, der aus volkswirtschaftlicher Sicht dringend geboten war.

Computerbau und Informatik beschränkten sich jedoch nicht nur auf die konzernartig geführten Giganten ROBOTRON bzw. ZENTRONIK, sondern wurden auch in vielen anderen Orten und Institutionen realisiert. So z.B. in Jena, Sömmerda, Erfurt, Zella-Mehlis, in den Hoch- und Fachschuleinrichtungen, der Akademie der Wissenschaften der DDR, im Halbleiterwerk Frankfurt/O., in den Forschungsinstituten der VVB sowie in ausgewählten Betrieben und Einrichtungen.

Vor gut einem Jahrzehnt hat die gesellschaftliche Entwicklung dieses Landes eine Wende erfahren, und ein Großteil des bis dahin Geschaffenen wurde damit ad acta gelegt. Geblieben ist jedoch ein halbes Jahrhundert Erfahrung, die - auch aus internationaler Sicht - entscheidend zur Begründung der Wissenschaft Informatik beigetragen hat. Hauptsächlich aus dieser Perspektive scheint es an der Zeit, endlich Bilanz zu ziehen, Geschaffenes solide zu bewerten und das Bewahrenswerte zu dokumentieren.

Eine Teilnahme am Symposium unterstreicht nicht nur das Interesse an der Geschichte, sondern bedeutet auch Referenz an die beachtenswerten Leistungen, die auf diesem Boden erzielt wurden. Schließlich soll auf diese Weise ein wesentliches Stück Informatikgeschichte aufgearbeitet und dokumentiert werden - in Anbetracht der Defizite in den deutsch-deutschen Beziehungen scheint dies ein guter und in die Zukunft weisender Beitrag zu sein.

Ich heiße Sie deshalb herzlich willkommen!

Genauere Informationen können Sie unter
http://www.tu-chemnitz.de/phil/geschichte/wthg

abrufen, hier finden Sie auch das Tagungsprogramm sowie ein elektronisches Anmeldeformular.

Sie können Ihr Interesse an einer Teilnahme aber auch an folgende Adressen richten:
informatikgeschichte(at)tu-chemnitz.de

oder postalisch:
Prof. Dr. Friedrich Naumann
TU Chemnitz
09107 Chemnitz

oder per Fax: (03 71) 5 31 43 04