Vereinskurier - Ausgabe 11 - August 2004

Claudia Wasner (Industriemuseum Chemnitz)

Auf den Spuren Konrad Rädchens durch das Industriemuseum Chemnitz

Um das Chemnitzer Industriemuseum kennenzulernen, ist Konrad Rädchen der richtige Begleiter: Wo er erscheint heißt es - "Anfassen erwünscht". Ob Holzkugelbahn oder Fahrerstand einer Straßenbahn, ob Schiefertafel oder mechanische Büromaschine - sie alle tragen sein Symbol und können nicht nur bestaunt, sondern auch selbst ausprobiert werden. Glückliche und überraschte Gesichter, wenn ein Besucher hinter das Geheimnis des Tresors gekommen ist und sich die schwere Stahltür öffnet. Freude, wenn aus den Fäden der 15 Flechtmaschinen-Spulen ein Freundschaftsband entsteht. Kaum vorstellbar wie der Sticker an der großen Pantografenstickmaschine das Muster der Vorlage auf den Stickboden überträgt. Aber auch hier ist Konrad Rädchen zur Stelle; am Simulator kann jeder Besucher selbst zum "Maschinensticker" werden.

Neben den Exponaten, die zum Metier von Konrad Rädchen gehören, gibt es viele, die von versierten Fachkräften vorgeführt werden. Zu ihnen zählen der Handspinnwagen ebenso wie die transmissionsgetriebene Reparaturwerkstatt, die Fernschreiber oder die Dampfmaschine aus dem Jahr 1896. Stimmung kommt regelmäßig auf, wenn der Vorführer den Flügel bedient, auf dem sich dank der Selbstspielautomatik der sächsischen Firma Ludwig Hupfeld AG auch ohne Piano-Ausbildung musizieren lässt. Eine technische Erfindung des frühen 20. Jahrhunderts, die auch im Zeitalter der Heimkino- und Soundanlagen ihren Charme nicht verloren hat.

Für zusätzliche Erklärungen steht das umfangreiche multimediale Informations- und Unterhaltungs-angebot an 21 Terminals zur Verfügung. Auch hier gibt es unterschiedliche Spielangebote.

Aber das digitale System ist nicht die einzige Informationsquelle. Wer mehr über das Industriemuseum, seine Ausstellung und sein rund 100jähriges Gebäude erfahren will, kann auch in den verschiedenen vom Museum herausgegebenen Veröffentlichungen fündig werden: z.B. im "Museumsführer für Kinder und andere kreative Köpfe". Er gibt in kurzer und bildlicher Form einen Überblick über die Ausstellung und die Exponate. Hier ist Konrad Rädchen wieder als Museumsführer aktiv.

Nach rechtzeitiger Vorabsprache bietet das Museum Führungen zu verschiedenen Inhalten an. Besucher haben die Wahl zwischen einem allgemeinen Rundgang durch alle Themenbereiche und Führungen zu speziellen Themen, wie zur Geschichte der Textiltechnik, des sächsischen Werkzeugmaschinenbaus, des Automobilbaus oder der Bürotechnik. Weitere Fachführungen, wie beispielsweise zur Gießereitechnik, zur Geschichte des Chemnitzer Fahrradbaus oder zu ausgewählten Chemnitzer Industriebetrieben und Industriellen sind auf Wunsch möglich. Alle Führungen eigenen sich für Teilnehmer ab 12 Jahren und werden auch in Fremdsprachen angeboten.

Während der Schulferien bieten wir für die jüngsten Museumsbesucher thematische Sonderaktionen an. Hier stehen Spaß und Kreativität im Vordergrund. Ab September sind auch Kindergeburtstagsfeiern im Museum möglich. Dazu gehört eine Sonderführung mit allerlei Überraschungen.

Für Schulgruppen gibt es spezielle am Lehrplan ausgerichtete Führungen und Projekttage; je nach Möglichkeit sind die Angebote auch für Sonderschulen geeignet. Im Zuge der Einführung neuer Lehrpläne ab September 2004 wurde das bestehende Programm des Museums den neuen Anforderungen angepasst und im überwiegenden Maße für den fächerübergreifenden Unterricht aufbereitet.

Schulklassen können aus einem zusätzlichen Führungsangebot wählen:

  • Grundschüler erfahren unter dem Motto "Familie und Fabrik früher" Interessantes über das Familienleben und die Arbeitsbedingungen der Menschen vor mehr als 100 Jahren. Dieser Rundgang ist für Schüler ab Klasse 4 auch als Museumsrallye buchbar.

  • Für Mittelschüler und Gymnasiasten sind unterrichtsbegleitend die Führungen "Pionierland Sachsen" und "Der Kunst auf der Spur" im Programm. Beide Rundgänge haben die Industrialisierung Sachsens zum Thema. Je nach Wahl wird der Akzent stärker auf das Unternehmertum oder auf zeitgenössische Kunst gelegt. Bei den Projektangeboten steht das Prinzip "learning by doing" im Mittelpunkt. Die Inhalte sind altersabhängig, orientieren sich am Unterrichtsthema und lassen den Spaß nicht zu kurz kommen:

  • Grundschüler erhalten am Beispiel der Entstehung und Verarbeitung eines Fadens Einblick in den Herstellungsprozess eines Produktes der Region, lernen Lebensgewohnheiten, Arbeitswelt und Kinderspielzeug im Wandel der Zeit kennen und fertigen selbst ein Spielzeug.

  • Mittelschüler und Gymnasiasten haben die Wahl zwischen vier verschiedenen Angeboten. Je nach Wunsch stehen Antriebe und Getriebe, die Entwicklung der Schreib- und Rechentechnik, die Geschichte der sächsischen Textilindustrie und Textiltechnik oder spanlose und spanabhebende Metallbearbeitung im Mittelpunkt.


Für alle Projekte stehen Arbeits- und Erkundungsbögen zur Verfügung.

Ohne die Unterstützung freier Mitarbeiter wären diese Angebote nicht umsetzbar. Die Kolleginnen und Kollegen verfügen auf ihren Gebieten über die erforderlichen Fachkenntnisse und sind bestrebt, das bestehende Programm weiter auszubauen.

Gut entwickelt hat sich die Zusammenarbeit mit den Schulämtern. Seit dem Jahr 2000 bietet das Industriemuseum regelmäßig Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer an. Inhalt sind spezielle Themen der sächsischen Industriegeschichte und die Vorstellung neuer Sonderausstellungen oder museumspädagogischer Aktionen. Angesprochen werden Lehrkräfte der Grund-, Haupt- und Sonderschulen sowie der Gymnasien. Je nach Themenschwerpunkt sind auch Berufsschullehrerinnen und -lehrer willkommen. Gerade im Hinblick auf die Einführung der neuen Lehrpläne in Sachsen erwies sich die Zusammenarbeit zwischen Museum und Fachberatern sehr nützlich.

Für die unterschiedlichen Alters- und Interessengruppen gibt es im Museum neben dem ständigen Angebot ein Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm mit zusätzlichen Highlights. Dazu gehören Sonderausstellungen, Vorträge, Lesungen und Konzertabende. Die Raumkapazitäten bieten darüber hinaus den passenden Rahmen für weitere Veranstaltungen. Als außergewöhnliche Kulisse für Theateraufführungen sind die Räume ebenso geeignet wie für Tagungen, Messen oder Produktpräsentationen.

Trotz dieser positiven Bilanz bleibt noch einiges zu tun.

Mit Unterstützung des Fördervereins ist unter dem Motto "SIMmini" ein Programm für die Jüngsten geplant. Ziel ist es, bei den Vorschulkindern Interesse für Technik und Industriegeschichte zu wecken. Teil des Vorhabens ist eine Exkursionsreihe. Noch in diesem Jahr sollen unter Leitung von Barbara Einwag, Mitglied im Förderverein, die ersten Exkursionen starten: Der Besuch einer Senffabrik und einer Hotelküche sind vorgesehen.

Dem Anliegen, stärker als bisher physikalische Effekte und technische Prozesse zu veranschaulichen, will das Museum mit dem Bau weiterer Funktionsmodelle entsprechen. Dabei ist es auf die Unterstützung von Partnern angewiesen. Mit dem bereits in der Erprobung befindlichen Modell einer Brennstoffzelle, das der Förderverein zur Verfügung stellte, wird es künftig möglich sein, eine moderne Form der Energiegewinnung zu demonstrieren. Weitere Modelle könnten folgen, vielleicht im Außengelände des Museums. Ideen dazu gibt es auch von den Begründern des Chemnitzer Museums für Kinder Mufki e. V.