Vereinskurier - Ausgabe 10 - April 2004

Barbara Schaller

100 Jahre Automobilbau in der Region Chemnitz-Zwickau und seine Überlieferung im Sächsischen Staatsarchiv Chemnitz

Mit dem Jahre 1902 und dem Wirken August Horchs in Reichenbach/V., also bereits zwei Jahre bevor er seine erste Fabrik in Zwickau gründete, setzt die schriftliche Überlieferung im Sächsischen Staatsarchiv Chemnitz ein. Es sind vor allem Geschäftsberichte, Korrespondenzen und Unterlagen des Aufsichtsrates, die Einblicke in die ersten Jahre des Automobilbaus in der Region erlauben. Der Beginn der Tätigkeit der 1909 wiederum von August Horch in Zwickau neu gegründeten Audi-Automobilwerke ist leider nicht überliefert, wie auch deren Wirken insgesamt spärlich dokumentiert ist.

Beide Unternehmen schlossen sich 1931/32 - gemeinsam mit der von Jörgen Skafte Rasmussen geführten Zschopauer Motorenwerke AG und der Automobilabteilung der Wanderer Werke AG Schönau - zur Auto Union AG Chemnitz zusammen. Informationen über diese Fusion sind in allen genannten Beständen zu finden. Während bei der Überlieferung der Zschopauer Motorenwerke AG Unterlagen aus dem Bereich Finanzen und Vermögen dominieren, dokumentiert die 58 laufende Meter umfassende Überlieferung der Wanderer Werke neben der Autoproduktion und deren Fusion mit der Auto Union auch die gesamte übrige Produktionspalette des Unternehmens von der Fahrrad- über die Werkzeug- bis hin zur Büromaschinenherstellung. Die verwahrten Akten zur Unternehmens-leitung ermöglichen interessante Einblicke in die Geschäftsführung und die vielseitigen Verflechtungen des Konzerns zu staatlichen, wirtschaftlichen und anderen Stellen.

Die umfangreiche Überlieferung der Auto Union AG Chemnitz (208 laufende Meter Akten, 12.000 Stück technische Zeichnungen) erstreckt sich auf Akten zur Leitung des Konzerns, über Beziehungen zu Einrichtungen von Staat und Wirtschaft und zu Finanzen und Vermögen - die Zweigwerke eingeschlossen. Akten über Beteiligungen an anderen Unternehmen und Tochtergesellschaften zeigen das weltweite Wirken der Firma. Der Bestand umfasst auch Unterlagen zur Personalverwaltung. Dazu gehören neben ca. 8.500 Personalakten (76 laufende Meter) von Beschäftigten aus allen Werken, auch Informationen über den Einsatz ausländischer Arbeitskräfte, Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge. Besonders bedeutsam sind die Akten aus dem Bereich Produktion, Handel und Absatz sowie Konstruktion, Forschung und Entwicklung. Sehr häufig genutzt werden die Akten der Rennsportabteilung. Die Überlieferung aller vorgenannten Unternehmen umfasst jedoch nicht nur den Niederschlag aus deren Tätigkeit in Form von Akten und technischen Zeichnungen, sondern auch zahlreiche Werbeprospekte, Fotos, Plakate und Filme.

Daneben sind auch Unterlagen der Unternehmen Walter Hunger (Frankenberg) und Fahrzeugwerk Schumann (Werdau) erhalten geblieben.

Der Neubeginn nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und die Entwicklung der Autoproduktion in der DDR finden sich ebenfalls in den Beständen des Staatsarchivs Chemnitz dokumentiert. Zu erwähnen ist die Überlieferung der Automobilhersteller Kraftfahrzeugwerke Horch/Audi (später Sachsenring Automobilwerke Zwickau), Barkas-Werke Karl-Marx-Stadt mit den Produktionsstätten in Frankenberg und Hainichen sowie Kraftfahrzeugbau "Ernst Grube" Werdau, aber auch die der Kraftfahrzeugzulieferer Karosseriewerk Meerane u. a. Ebenso nutzbar ist die Aktenüberlieferung der wirtschaftsleitenden Einrichtungen der Autohersteller, die ihren Sitz in Chemnitz/Karl-Marx-Stadt hatten. Dazu gehören die Unterlagen der 1946 gebildeten VVB IFA Chemnitz, der 1958 gegründeten VVB Automobilbau Karl-Marx-Stadt und des ab 1978 bis zu seiner Abwicklung wirkenden IFA-Kombinates Pkw Karl-Marx-Stadt. Auch diese Bestände enthalten neben den Akten umfangreiche Mengen technischer Zeichnungen und Fotos.

Ausgewählte Dokumente aus der vorgestellten Überlieferung werden in einer Ausstellung zum Thema "100 Jahre Automobilbau in Südwestsachsen" präsentiert, die vom 23. September bis 05. November 2004 während der Öffnungszeiten Montag, Donnerstag und Freitag von 8.30 bis 16.00 Uhr, Dienstag und Mittwoch von 8.30 bis 18.00 Uhr im Foyer des Staatsarchivs Chemnitz, Europark Schulstraße 25, zu sehen sein wird. Führungen durch die Ausstellung sind nach Anmeldung möglich. Im Rahmen des Tages der Archive am Sonnabend, dem 25. September 2004, wird die Ausstellung ebenfalls zu besichtigen sein. Bitte beachten Sie dazu die Hinweise in der örtlichen Presse. Ein vom Staatsarchiv Chemnitz gemeinsam mit Audi Tradition Ingolstadt organisiertes Kolloquium am 20. Oktober 2004 im Europark, in dem sich Beiträge sowohl mit der lang-jährigen Tradition als auch mit der Gegenwart des Automobilbaus in Südwestsachsen und seinen Quellen und Sachzeugen beschäftigen, ist ebenfalls diesem Jubiläum gewidmet. Zu diesen Veranstaltungen sind die Mitglieder des Fördervereins herzlich eingeladen.