Die Sammlung des Industriemuseums Chemnitz

Objekte des Monats – 2021

Dezember – Räuchermann

Hersteller: Wendt & Kühn, Grünhainichen
Datierung: 1937
Maße: 13 cm x 13 cm x 11 cm

Der Advent und die Weihnachtstage machen den Dezember zu einem der schönsten Monate des Jahres. Insbesondere das sächsische Erzgebirge ist berühmt für handwerklich gefertigte Weihnachtsdekoration. Auch das Industriemuseum hat solche Objekte in der Sammlung, z. B. einen Räuchermann der Firma Wendt & Kühn aus Grünhainichen. Diese wurde 1915 von Margarete Wendt und Margarete Kühn gegründet und ist berühmt für ihre Holzfiguren. Unser Objekt entstand 1937 und war ein Weihnachtsgeschenk der Chemnitzer Wanderer-Werke an einen Mitarbeiter. Es ist eine idealisierte Darstellung eines Spielzeugmachers mit Pfeife bei der Arbeit. Unter der Bank verbirgt sich der Behälter für die Räucherkerze. 2022 wird der Räuchermann dann in der Sonderausstellung Tabakrausch an der Elbe im Industriemuseum zu sehen sein.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
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  • [Fotografin: Marion Kaiser]
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  • [Fotografin: Marion Kaiser]

November – Fahrradlampe

Hersteller: Hermann Riemann, Fahrrad- und Kraftfahrzeug-Beleuchtungen, Chemnitz
Datierung: um 1920
Maße: 15 cm x 16 cm x 9,5 cm; 9,5 kg

Der November gehört zur dunklen Jahreszeit. Bei fehlendem Tageslicht behelfen wir uns mit künstlicher Beleuchtung. Sie sorgt z.B. für Sicherheit beim Fahrradfahren. Heute schreibt die Straßenverkehrsordnung für ein verkehrssicheres Fahrrad vor: einen Scheinwerfer vorn, eine Schlussleuchte hinten und mehrere Reflektoren. Fahrradlampen gibt es seit dem späten 19. Jahrhundert. Das Stück aus der Sammlung des Industriemuseums ist eine Karbidlampe von der Firma Riemann. Licht entstand durch die Verbrennung des Gases Ethin/Acetylen, welches in der Lampe aus Calciumcarbid und Wasser erzeugt wurde. Hermann Riemann gründete 1866 die Firma und produzierte seit 1888 Fahrradlampen. Ab 1894 geschah dies im neuerbauten Fabrikgebäude in Chemnitz-Sonnenberg.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
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Oktober – Special Exposition Number of The Dry Goods Economist

Hersteller: Textile Publishing Company, New York
Datierung: 1893
Maße: 36,7 cm x 27 cm x 2 cm

In diesem Monat präsentieren wir einen Titel aus der Fachbibliothek des Industriemuseums : die Spezialausgabe der Zeitschrift 'Dry Goods Economist' zur Weltausstellung in Chicago 1893. Vom 1. Mai bis zum 30. Oktober zeigten 46 Nationen ihre Produkte. Der Band beschäftigt sich mit der Textilindustrie. 124 Textilfirmen vertraten Sachsen und wurden von den Autorinnen und Autoren gelobt als 'most conspicuous'. Diejenigen aus Chemnitz und Umgebung hatten einen Pavillon, gekrönt von einem Wollknäul mit Stricknadeln. Dort konnten die Besucherinnen und Besucher vor allem Strümpfe, Handschuhe und Unterwäsche bewundern. Im zweiten Teil der Zeitschrift befinden sich wunderschön gestaltete Anzeigen der Firmen.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
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September – Kappel Kleinschreibmaschine V. A.

Hersteller: Maschinenfabrik Kappel A. G., Chemnitz-Kappel; produziert im Olympiawerk Erfurt
Datierung: um 1934
Maße: 13 cm x 31 cm x 30 cm

'Sein & Schein' ist das diesjährige Motto des Tages des offenen Denkmals und die Inspiration für unser Objekt des Monats. Im Depot fielen Stücke auf, bei denen nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Auch bei Büromaschinen griffen Firmen manchmal zu Tricks, um sie hochwertiger aussehen zu lassen. Das Industriemuseum Chemnitz hat rund 460 Schreibmaschinen in seiner Sammlung. Darunter befindet sich diese Kleinschreibmaschine der Chemnitzer Maschinenfabrik Kappel. Zu ihr gehört ein Transportkoffer. Die Innenseiten scheinen mit wertvollem Pelz versehen zu sein. Das Kürzel 'V. A.' im Namen verweist jedoch darauf, dass es sich hier um günstiges Modell handelte. Es steht für die 'vereinfachte Ausführung'. Somit ist der teure Pelz auch nur gemalt.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
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August – Plastik 'Wellner-Elefant'

Hersteller: Sächsische Metallwarenfabrik August Wellner Söhne AG, Aue
Datierung: 1913
Maße: 79 x 90 x 36 mm Elefant, 88 x 105 x 64 mm Plastik, 13 x 114 x 80 mm Sockel

Der 12. August ist der Welttag des Elefanten und fordert zum Schutz der beeindruckenden Tiere auf. Deshalb ist diese kleine Plastik aus der Sammlung des Industriemuseums Chemnitz das Objekt des Monats. Es ist eine Werbefigur des Besteck- und Silberwarenherstellers Wellner. Christian Gottlieb Wellner [1795-1857] gründete die Firma 1854 in Aue. Sein Sohn Carl August Wellner [1824-1909] und dessen Nachfahren führten sie mit dem Namen 'August Wellner Söhne' weiter. Die Markenzeichen der Firma waren drei Zwerge sowie ein Elefant mit einem Würfel. Die versilberte Werbefigur von 1913 zeigt die letzten beiden und damit Symbole für Stärke und Glück. Übrigens ist hier ein asiatischer Elefant dargestellt, gut zu erkennen an den kleineren Ohren.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
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  • [Fotografin: Marion Kaiser]
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Juli – Brief der Maschinenfabrik Kappel

Hersteller: Maschinenfabrik Kappel, Chemnitz-Kappel
Datierung: 11. Juli 1904
Maße: 29 x 22 cm

In den letzten Monaten digitalisierte die SLUB Dresden für Sachsen.digital die umfangreiche Sammlung historischer Briefköpfe des Industriemuseums Chemnitz. Firmenbriefköpfe sind die Visitenkarten eines Unternehmens. Eindrucksvoll ist ein Brief der Maschinenfabrik Kappel an die Kistenfabrik Olbernhau, welche wohl Interesse an einer Maschine hatte. Die Gestaltung des Briefkopfes fällt auf. Er nimmt fast drei Viertel der Seite ein und vereint beliebte Elemente dieser Gattung. Mit Texten und Abbildungen warb die Firma für sich. Stolz präsentierte sie ihre Produkte, in diesem Fall Motoren, und Auszeichnungen von Industrieausstellungen im In- und Ausland. Zu sehen sind auch Ansichten der Fabrikgebäude und einer Werkshalle. Aber Vorsicht: Die Firmen übertrieben gerne. Sie verkleinerten z. B. Bäume und Menschen, damit Gebäude imposanter wirkten.

Juni – Esda Damenstrumpf

Hersteller: VEB Feinstrumpfwerke Esda Thalheim/Erzgebirge, Stammbetrieb des VEB Strumpfkombinats Esda Thalheim
Datierung: nach 1970
Maße: Verpackung 23 x 18,6 x 0,8 cm

Im Juni beginnt offiziell der Sommer, die Temperaturen steigen endlich und es wird Zeit die Sommerbekleidung aus dem Schrank zu holen, z. B. kurze Kleider und Röcke. Dazu trug Frau in der DDR gerne Strümpfe und Strumpfhosen der Marke Esda. Solche Strümpfe kamen als Neuzugang in die Textilsammlung des Industriemuseums Chemnitz. Sie wurden nie getragen. Auf der Originalverpackung ist sogar der Aufkleber mit dem Preis, 4,50 Mark, erhalten. Ein Logo auf der Rückseite verrät außerdem, dass sie aus Dederon bestehen. Dahinter verbirgt sich die, in den 1930er Jahren in den USA entwickelte, Polyamid-Kunstfaser Nylon bzw. Perlon, die in der DDR den neuen Namen ‚DeDeRon‘ bekommen hatte.

Mai – Kabelmesskoffer

Hersteller: Hartmann & Braun AG, Frankfurt am Main
Datierung: nach 1950
Maße: geschlossen 19 cm x 51,5 cm x 40 cm

Was machen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Museums, wenn sie keine Gäste empfangen können? Sie kümmern sich unter anderem um die Sammlung. Im Industriemuseum Chemnitz werden mehrere Regale im Depot umgebaut. Die neuen rollbaren Regalanlagen sorgen dafür, dass die wertvollen Museumsobjekte zukünftig platzsparender aufbewahrt werden können. Auch die Messgeräte müssen umziehen. Zu diesen Objekten gehört auch ein Kabelmesskoffer mit Zubehör und Anleitung der Firma Hartmann & Braun AG, Frankfurt am Main, aus der Zeit nach 1950. Dieses Gerät war bis in die 1980er Jahre im Fernmeldebauamt Karl-Marx-Stadt der Deutschen Post [Ost] im Einsatz und wurde neu in den Sammlungsbestand aufgenommen. Das Galvanometer im Innern des Messgerätes diente der Messung von elektrischem Strom. Damit konnten die Fernmeldetechniker der Post Kabelstörungen, z. B. einen Kabelbruch im Fernmeldekabel, im Telefonnetz mit einer Genauigkeit von wenigen Metern einmessen und orten.

Auch unsere moderne Kommunikationstechnik kommt nicht ohne die bis zum Router in der Wohnung oder bis zum Sendemast verlegten Kabel aus. Wird ein Kabel durch Baumaßnahmen oder andere Einflüsse beschädigt, wird auch die Telekommunikation für die Nutzer gestört. Ohne Kabelmessung, die heute meist digital stattfindet, kann die Störstelle nicht lokalisiert und repariert werden.

Das Kabelmessgerät der Firma Hartmann & Braun AG bekommt jetzt einen Platz im neuen Depotregal des Industriemuseums Chemnitz und wird später vielleicht in einer Ausstellung gezeigt.

April – Sitzei

Hersteller: Peter Ghyczy (Entwurf), VEB Synthesewerk Schwarzheide (Herstellung)
Datierung: 1. Hälfte 1970er Jahre
Maße: geschlossen ca. 50 cm x 75 cm x 85 cm; geöffnet ca. 105 cm x 75 cm x 85 cm

Das Industriemuseum Chemnitz hat ein besonderes Osterei in seiner Sammlung gefunden. Das weiße 'Sitzei' mit rotem Polster ist nicht zu übersehen. Der Designer Peter Ghyczy (geb. 1940) entwarf den aufklappbaren und wetterfesten Sessel 1968 als Gartenmöbel. Sein Arbeitgeber, die niedersächsische Firma Elastogran in Lemförde, suchte damals nach Anwendungsmöglichkeiten für das neue Material Polyurethan. Die ersten Exemplare entstanden in der BRD, die Serienproduktion erfolgte dann aber in der DDR. Der Volkseigene Betrieb Synthesewerk Schwarzheide bei Senftenberg stellte die 'Sitzeier' in der ersten Hälfte der 1970er Jahre her. Verkauft wurden sie in Ost und West.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
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März – Fußwärmer 'Sandalon'

Hersteller: VEB Elektrogerätebau Friedersdorf
Datierung: 1976
Maße: 13 x 32 x 25 cm Kartonunter- und oberteil, 12 x 31 x 25 cm Fußwärmer, 195 cm Kabel, 14,5/25,5 x 12,8 cm Bedienungsanleitung

Ein Hilfsmittel für kalte Wintertage ist dieser Neuzugang in der Sammlung des Industriemuseums Chemnitz. Warme Füße zu Hause und im Büro verspricht schon die farbenfrohe Verpackung des elektrisch beheizten Wärmeschuhs der Marke 'Sandalon'. Der Hersteller war der VEB Elektrogerätebau Friedersdorf, ein Volkseigener Betrieb in der sächsischen Oberlausitz. Laut der beiliegenden Bedienungsanleitung wurde das Stück 1976 für 38 Mark und 65 Pfennige angeboten. Dafür bekamen die Käufer einen weich gefütterten Schuh, in welchen sie beide Füße stecken konnte. Dann musste nur noch der Stecker in die Steckdose und schon heizte sich der Schuh über die Sohle auf.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
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