Die Sammlung des Industriemuseums Chemnitz

Objekt des Monats September – Schulwandbild 'Zweizylinder-Zweitaktmotor'

Inventarnummer: 11/0158/E3
Hersteller: VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau
Datierung: nach 1958
Maße: 72 cm x 97 cm

Am 1. September beginnen viele sächsische Jugendliche ihre Ausbildung. Zu den beliebtesten Betrieben zählen Kfz-Werkstätten und Autohersteller. Während heute Wissen mit Hilfe von Computern und Beamern vermittelt wird, prägten früher Schulwandbilder die Klassenzimmer. Das vorliegende Rollbild aus der Sammlung des Industriemuseums Chemnitz wurde vom VEB Sachsenring Automobilwerk Zwickau herausgeben. Es zeigt einen Zweizylinder-Zweitaktmotor. Die Grafik ermöglicht einen anschaulichen Blick ins Innere und wurde vermutlich in der Ausbildung eingesetzt. Der VEB entstand am 1. Mai 1958 aus dem VEB Sachenring Kraftfahrzeug- und Motorenwerk [vorher Horch-Werk] und dem VEB Automobilwerk Zwickau [vorher Audi-Werk]. Er produzierte dann den ersten Trabant P 50, welcher mit solch einem Motor ausgestattet war.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]

Objekt des Monats August – Fotoapparat 'Pouva Start'

Inventarnummer: 06/0261/OP
Hersteller: Karl Pouva KG, Freital
Datierung: 1952 - 1955
Maße: 13,5 cm x 10 cm x 5 cm

Endlich Sommer! Endlich Urlaubszeit! Was gehört dann unbedingt in den Reisekoffer? Neben Sonnenbrille und Badehose muss natürlich auch ein Fotoapparat hinein. Schließlich wollen Menschen ihre Erlebnisse festhalten und mit anderen teilen. Heute benutzen viele ihr Smartphone, das Fotografieren leicht macht. In der Vergangenheit boten die Hersteller von Fotoapparaten einfache und preisgünstige Anfängermodelle an. In der DDR war das die 'Pouva Start'. Mit ihr konnten auch Kinder und Jugendliche fotografieren lernen und ihre Ferienerlebnisse festhalten. Die Rollfilmkamera aus Bakelit wurde bis in die 1970er Jahre von der Freitaler Firma Karl Pouva hergestellt. Mehr als zwei Millionen sollen es gewesen sein. Für eine einfache Bedienung hatte die Kamera z. B. nur zwei Einstellungen für die Blende: 'Sonne' oder 'Trüb'.

  • [Fotografin: Hannelore Zschocke]
  • [Fotografin: Hannelore Zschocke]
  • [Fotografin: Hannelore Zschocke]
  • [Fotografin: Hannelore Zschocke]

Objekt des Monats Juli – 'To remember our visit at DKW Works'

Inventarnummer: 07/0083/D4
Hersteller: Wittig & Sohn, Annaberg (Druckerei)
Datierung: 11. März 1930
Maße: 30 x 47 cm

Dieses Blatt zeugt von einem Besuch chinesischer Gäste in der 'Zschopauer Motorenfabrik J. S. Rasmussen'. Oben ist die Fabrik abgebildet und unten die Gruppe, wobei ein Mann sogar auf einem Motorrad der Marke DKW [DampfKraftWagen] sitzt. Dazwischen befinden sich Unterschriften aus chinesischen Schriftzeichen und Erläuterungen. Die Besucher kamen demnach u. a. aus Peking und Shanghai. Der Grund für das Treffen ist unbekannt. Es musste etwas Besonderes gewesen sein, wenn dafür extra ein Andenken gedruckt wurde. 1930 war durch die Wirtschaftskrise ein schwieriges Jahr, aber 1929 hatten noch ca. 60.000 Motorräder die Fabrik verlassen. Der Däne Jørge Skafte Rasmussen [1978 – 1964] begann 1922, also vor 100 Jahren, in Zschopau mit deren Produktion. Er hatte die Firma zum weltweit größten und offensichtlich weltweit bekannten Motorradhersteller gemacht.

 

Objekt des Monats Juni – Katalog des konsument Versandhauses Frühling/Sommer 1972

Herausgeber: konsument Versandhaus, Karl-Marx-Stadt [Chemnitz]
Datierung: 1972
Maße: 29 cm x 20,5 cm

Inspiration für das Sommer-Outfit finden wir heute in Online-Shops. Vor 50 Jahren blätterte man dafür noch in gedruckten Katalogen. Dieses Exemplar wird in der Bibliothek des Industriemuseums Chemnitz aufbewahrt.  Das konsument Versandhaus bot damit die neueste Mode an, aber auch Möbel, Elektrogeräte, Dinge für den täglichen Bedarf wie Aschenbecher und Zelte der Marke 'Traumland' für den Sommerurlaub. Seit den 1960er Jahren gab es in der DDR zwei solcher Versandhäuser: konsument in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz und Centrum in Leipzig. Sie sollten die Versorgung der Menschen auch in ländlichen Gegenden verbessern. Mitte der 1970er Jahre wurden sie jedoch wieder geschlossen. Es mangelte nicht an Bestellungen, es mangelte an lieferbaren Waren.

 

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]

Objekt des Monats Mai – Fotografie: Arbeiter der Firma Moritz Martin, Crottendorf

Inventarnummer: 07/0155-2 / P2
Hersteller: unbekannt
Datierung: um 1920
Maße: 33 cm x 26 cm

Der 1. Mai ist den Arbeiterinnen und Arbeitern gewidmet sowie ihrem Kampf für ihre Rechte. Ein passendes Objekt ist eines der zahlreichen Bilder arbeitender Menschen aus der Fotosammlung des Industriemuseums Chemnitz. Zu sehen sind die Mitarbeiter der 1876 gegründeten Crottendorfer Firma Moritz Martin, Baubeschlägefabrik und Eisengießerei. Solche Gruppenfotos sind noch immer beliebt für besondere Anlässe. Sie zeigen die Firmenleitung mit allen Beschäftigten in Sonntagskleidung. Das vorliegende Beispiel ist anders. In der ersten Reihe sitzen vermutlich die Lehrlinge, aber die Firmenleitung und die Verwaltungsangestellten scheinen zu fehlen. Die abgebildeten Arbeiter wirken, als hätten sie nur kurz für eine Pause die Werkhalle verlassen. Stolz posieren sie in ihrer Arbeitskleidung mit der Tabakpfeife im Mund. Sie allein stehen im Mittelpunkt.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]

Objekt des Monats April – Zigarettendose

Inventarnummer: 11/0564 / S4
Hersteller: Metallwarenfabrik Ruppelwerk GmbH Gotha, Marianne Brandt [1893-1983]
Datierung: 1929 - 1932
Maße: 12,3 cm x 9 cm x 8,4 cm

Ab 8. April zeigt das Industriemuseum Chemnitz die Sonderausstellung Tabakrausch an der Elbe. Im Mittelpunkt stehen Herstellung und Konsum von Zigarren und Zigaretten in Sachsen. Tabak war ein wertvolles Genussmittel und wurde in kostbaren Gefäßen aufbewahrt. Gezeigt werden z. B. Tabatieren aus Meissener Porzellan oder aufwändig gestaltete Blechdosen Dresdner Firmen. Unser Objekt des Monats ist auch in der Ausstellung zu sehen und erscheint im Vergleich dazu eher schlicht. Gerade deshalb ist es etwas Besonderes und zeugt von einer neuen Richtung in der Gestaltung von Gebrauchsobjekten. Sie ist verbunden mit dem Bauhaus, einer 1919 gegründeten Kunstschule. Die Designerin der Zigarettendose, die Chemnitzerin Marianne Brandt [1893-1983], studierte in Dessau und wurde stellvertretende Leiterin der Metallwerkstatt. Dieses Objekt entwarf sie danach für die Gothaer Ruppelwerk GmbH.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]

Objekt des Monats März – Aktie der Leipziger Luftschiffhafen- und Flugplatz-Aktiengesellschaft

Inventarnummer: 2022/0006/D9
Herausgeber: Leipziger Luftschiffhafen- und Flugplatz-Aktiengesellschaft [LEFAG]
Hersteller: Giesecke & Devrient [Druckerei]
Datierung: 25. März 1913
Material: Papier

Ein Neuzugang für die Aktien-Sammlung des Industriemuseums Chemnitz zeugt von einem ehrgeizigen Luftfahrtprojekt. Die 1912 gegründete Leipziger Luftschiffhafen- und Flugplatz-Aktiengesellschaft gab die Aktie am 25. März 1913 heraus. Sie errichtete in Leipzig-Mockau einen Flughafen, von welchem aus Menschen per Luftschiff verreisen sollten. Es entstand eine 193 m lange, 60 m breite und 25 m hohe Luftschiffhalle für zwei bis drei der 'fliegenden Zigarren'. Sie war die größte ihrer Zeit. Zur Eröffnung am 22. Juni 1913 kamen der sächsische König Friedrich August III. und Graf Ferdinand von Zeppelin. Das abgebildete Luftschiff 'Sachsen' landete und startete tatsächlich als erstes vom neuen Flughafen. Er wurde aber kein Erfolg, denn Luftschiffe bewährten sich im Gegensatz zu Flugzeugen nicht. Als die Halle am 8. Februar 1917 durch ein Unglück zerstört wurde, bauten die Leipziger sie nicht wieder auf. 1939 landete zum letzten Mal ein Luftschiff in Mockau.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]

Objekt des Monats Februar – Pralinenschachtel

Inventarnummer: ohne
Hersteller: VEB Vereinigte Süßwarenwerke Delitzsch/Eilenburg
Datierung: 1970
Maße: geschlossen 21,4 cm x 12,4 cm x 3,3 cm; geöffnet 21,4 cm x 26,9 cm x 3,1 cm

Blumen und Schokolade sind wohl die beliebtesten Geschenke zum Valentinstag. Deshalb ist eine Pralinenschachtel unser Objekt des Monats. Der Volkseigene Betrieb Vereinigte Süßwarenwerke Delitzsch/Eilenburg hat sie 1970 herausgegeben. Die buchförmige Verpackung trägt den Werbespruch 'BITTE – FEIN / SCHLAG' AUF, SCHAU HINEIN'. Die Rückseite zeigt Pralinen und eine Tafel Schokolade, die einmal enthalten waren. [Der Inhalt hat es nicht in die Sammlung des Industriemuseums Chemnitz geschafft.] Auf der Vorderseite sind Herzen und Tulpen zu erkennen. Beides passt gut zum 'Tag der Verliebten' am 14. Februar. In der DDR wurde der Valentinstag allerdings noch gar nicht gefeiert. Die/Der Liebste freute sich aber bestimmt auch an einem anderen Tag über solch ein Geschenk.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]

Objekt des Monats Januar – Mantel

Inventarnummer: 08/0300/T/KP
Hersteller: Ursula Hauptmann-König, Freital bei Dresden
Datierung: um 1990
Material: Polyester

Der Januar ist im Durchschnitt der kälteste Monat des Jahres in Deutschland. Winterbekleidung, wie z. B. Mütze, Schal und Mantel, soll uns vor der Witterung schützen. Zur Sammlung des Industriemuseums gehört dieses außergewöhnliche Stück. Der Mantel ist eines von rund 100 Objekten aus dem Nachlass der Maßschneiderin Ursula Hauptmann-König [1923-2013] aus Freital. Sie war bekannt für ihre ausgefallenen Kreationen. Den Mantel hat sie selbst getragen, um amerikanische Freunde am Flughafen zu begrüßen. Er ist in den Farben der US-amerikanischen Flagge [Rot, Weiß, Blau] gestaltet und mit aufwendigen Stickereien versehen. Sogar die Freiheitsstatue und die Skyline New Yorks hat sie nachgebildet. Nur das goldene Wappen am Ärmel gehört nicht zu den USA, sondern zu Großbritannien.

  • [Fotografin: Marion Kaiser]
  • [Fotografin: Marion Kaiser]