Vom Gänsekiel zum iPad – Schreibwerkzeuge im Wandel der Zeit | 3. April – 1. September 2011

  • [Beschriebenes Papier mit Gänsekielen daneben]
  • [Mönch in Schreibwerkstatt]
  • [Werbung der Fa. Eduard Beyer, Chemische Fabrik für Tinten und Klebstoffe]

Seit über 20 Jahren sammelt der Dresdner Hagen Kreisch Schreibgeräte vergangener Jahrhunderte. Darunter befinden sich edle Schreibwerkzeuge - z. B. gravierte Stahlfedern, Tischgarnituren aus Meißner Porzellan - sie zeigen das Repräsentationsbedürfnis ihrer Besitzer. Aber vor allem Stahlfedern und Tinten aus industrieller Produktion prägen seine Sammlung. Dazu zählen Tintenfässer und Werbematerialien der Chemnitzer Firma Eduard Beyer, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer der größten Tintenfabriken Deutschlands entwickelte. Dokumente aus dem Stadtarchiv Chemnitz sowie aus Privatbesitz ergänzen die Firmengeschichte. Und da die TU Chemnitz in diesem Jahr ihr 175-jähriges Jubiläum feiert, veranlasst uns dies zu fragen, wie die Studenten einst schrieben und wie sie heute in den Vorlesungen mitschreiben.

Als vor 175 Jahren die ersten Zöglinge an die Chemnitzer Gewerbschule ihre Ausbildung begannen, schrieben sie noch mit Gänsekiel und Eisengallustinte. Ihre Notizen machten sie mit dem Bleistift. Und das Papier, auf das sie schrieben, bestand aus Hadern. Erst mit der Erfindung Friedrich Gottlob Kellers aus Hainichen, der 1843 ein Verfahren zur Herstellung von Papier aus Holzschliff entwickelte, gelang es, Papier preisgünstiger und damit in größeren Mengen zu produzieren.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts ersetzte die Stahlfeder zunehmend die Gänsefeder und verbesserte Tintenrezepte erleichterten das Schreiben. Aus der Stahlfeder entwickelte sich schließlich der Füllfederhalter. Er avancierte seit den 1880er Jahren zum Massenprodukt und noch heute ist er für die Schreibentwicklung in vielen Grundschulen ein Muss.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts revolutionierte vor allem die Schreibmaschine die Arbeit in den Büros und den Kontoren. Auch an den Hochschulen wurde sie im offiziellen Schriftverkehr zum Abfassen von Berichten und Rechnungen eingesetzt, während die Studenten noch lange handschriftlich ihre Mitschriften ins Reine schrieben. Erst in den 1970er Jahren setzt sich die Schreibmaschine im privaten Bereich mehr und mehr durch, während die Mitschriften immer noch von Hand - mit Füller oder Kugelschreiber - entstanden. Heute hingegen haben Laptop und iPad längst die Hörsäle der Universitäten erobert.

  • [Frauen in der Stahlfederproduktion]
  • [Werbung der Fa. Wanderer für Studenten, 1936]