SEILschaften | 11. April bis 1. Juli 2014

140 Jahre Fördertechnik aus Leipzig für die Welt – Von Adolf Bleichert zum VEB VTA

Sonderausstellung in Kooperation zwischen dem Sächsischen Wirtschaftsarchiv e. V. Leipzig, dem Bürgerverein Gohlis e. V. Leipzig, dem Förderverein Heinrich-Budde-Haus e. V. Leipzig, der Dresdner Verkehrsbetriebe AG, Gruppe Bergbahnen und dem Industriemuseum Chemnitz

Wer hat nicht schon einmal in den Bergen zur ruhig schwebenden Seilbahn aufgeschaut, aus der Kabine heraus das Panorama bewundert oder sich vom Schlepplift mit den Skiern den Schneehang hochziehen lassen?

Die Erfindung stammt aus Leipzig. Vor 140 Jahren gründete Adolf Bleichert gemeinsam mit Theodor Otto eine Firma, die am späteren Standort in Leipzig-Gohlis zur größten und ältesten Drahtseilbahnfabrik der Welt heranwuchs.

 

Adolf Bleichert − Ingenieur und Unternehmer

Die Jubiläumsausstellung würdigte mit Adolf Bleichert (*1845 Dessau, †1901 Davos/Schweiz) den Erfinder der deutschen Drahtseilbahn. Für die Solaröl- und Paraffinfabrik in Teutschenthal bei Halle/Saale konstruierte er als junger Ingenieur 1872 die erste Drahtbahn. 1875 fand er mit der Exzenter-Kupplung die Lösung für das An- und Abkoppeln der Transportwagen am Zugseil. Lastenseilbahnen wurden neben der Eisenbahn das wichtigste Transportmittel für Massengüter im Bergbau oder der Schwerindustrie.

Die Firma Adolf Bleichert & Co. errichtete bis 1899 1000 Seilbahnen auf allen Kontinenten.

 

Rekordbahnen

Bald entstanden Zweigwerke in Neuss am Rhein, in Lichtenegg (Österreich) und in Charkow (Russland). Zur Produktpalette gehörten mittlerweile auch Elektrohängebahnen, Krane, Becherwerke und Transportbänder. Die Meerseilbahn in Thio/Neukaledonien (1,3 km Länge), die Usambarabahn in Ostafrika (9,125 km Länge) oder die Kupfererzbahn in den argentinischen Kordilleren (34 km Länge) brachen alle Rekorde. Mit der Kohlererzbahn in Bozen/Südtirol baute Bleichert 1911/12 eine der ersten Personen-Seilbahnen und während des Ersten Weltkrieges Seilbahnen für Transporte hinter der Front.

Mit einem Patent des Schweizer Seilbahnpioniers Josef Zuegg war das Unternehmen in den Jahren zwischen den Weltkriegen mit Personen-Seilschwebebahnen vor allem in den Alpen, aber auch am erzgebirgischen Fichtelberg erfolgreich. Die Predigtstuhlbahn bei Bad Reichenhall läuft seit 1928 mit der originalen Bleichert-Technik.

Ab 1922 kam außerdem der Elektrokarren 'Eidechse' mit Trittbrettlenkung für innerbetriebliche Transporte auf den Markt.

Nach einer wechselvollen Geschichte lebte die Firma nach dem Zweiten Weltkrieg im VEB Verlade- und Transportanlagen (VTA) fort, der Bandanlagen für den Braunkohlentagebau, Krananlagen für Hafenumschlag und Gabelstapler lieferte und in dessen Tradition bis heute TAKRAF steht.

 

5000 Seilbahnen und Anlagen

In 140 Jahren kamen rund 5000 Seilbahnen und andere Anlagen aus Leipzig. Die Ausstellung  präsentierte aus der Produktpalette einige Großexponate − Seilbahnkabine, Sessellift, Skilift aus Davos, Gabelstapler −, dreidimensionale Modelle, Dokumente des Unternehmens und natürlich Drahtseilstücke.