BABY an Bord - mobile Kindheit | 21. Nov. 2007 bis 31. März 2008

Luft und Licht für das Kind

  • 1895
  • 1900
  • 1915

50 Jahre später hat sich bereits viel verändert. Das Industriezeitalter mobilisiert Menschen und Güter. Noch ist das Auto Sportgerät vermögender Kunden. Arbeiter und Angestellte bewegen sich mit dem Fahrrad, der Eisen- oder wie in Chemnitz auch mit der Pferdebahn.

"Gib deinem Kind Sonne, Licht und Luft" empfiehlt ein Merkblatt jungen Müttern. Die Stadt veränderte die Lebensweise. Im Gegensatz zu heute herrschte Wohnungsnot. Beengte Wohnverhältnisse, mangelnde Hygiene, unzureichende sanitäre Verhältnisse sowie die soziale Ungleichheit vor Krankheit und Tod kennzeichneten das Leben im Kaiserreich. In Chemnitz überlebte teilweise über ein Drittel der Säuglinge nicht das erste Lebensjahr.

Neue Erkenntnisse der Medizin in Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Ernährung und Hygiene führten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur zu einer deutlichen Senkung der Säuglingssterblichkeit, sondern auch zu neuen Methoden der Kindererziehung. Dazu gehörte auch die Forderung führender Mediziner, Säuglinge täglich der frischen Luft auszusetzen. So fuhren die Kindermädchen der wohlhabenden Familien die Kleinsten im repräsentativen Kinderwagen spazieren, wenn die bürgerliche Dame nicht selbst den Nachwuchs in der Öffentlichkeit präsentierte. In den Arbeiterfamilien änderten sich die Verhältnisse erst langsam.